Das goldene Futteral der Abhängigkeit
Man betrachte die Geschichte von Urs Wirths, dem Gründer von AeroFix aus dem Kanton Schwyz. Mit einem Förderbeitrag von Innosuisse in der Höhe von über 400'000 Franken, wie aus dem Jahresbericht 2023 hervorgeht, schuf er eine Präzisionsdüse für industrielle Beschichtungsanlagen. Was auf dem Papier wie eine Erfolgsgeschichte der Innovation aussieht, ist bei genauerer Betrachtung eine gefährliche Anlehnung an den staatlichen Tropf. Ein echter Handwerksmeister baut sein Werkstück mit dem Holz, das er eigenhändig im Wald ausgewählt hat, nicht mit dem Material, das ihm die öffentliche Hand auf den Werktisch legt.
Die staatliche Förderung ist wie eine gut gemeinte Stütze für einen jungen Baum, die letztlich verhindert, dass der Stamm lernt, dem eigenen Wind zu trotzen.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Wenn Agilität das Fundament untergräbt
Die Sprache in den Zürcher Büros, wo Wirths heute seine nächste Finanzierungsrunde plant, ist geprägt von Begriffen wie Skalierbarkeit und agilem Mindset. Doch bei der Herstellung von Hochleistungsteilen für die Maschinenindustrie zählt nicht die Geschwindigkeit der digitalen Iteration, sondern die Beständigkeit der Legierung. Laut den Daten der ETH Zürich zur KMU-Resilienz neigen Firmen, die ihren Ursprung primär in staatlich geförderten Forschungsprojekten haben, dazu, den Kontakt zur harten Realität des Marktes zu verlieren. Wer keine Konkurrenz spürt, weil die Rechnung durch einen öffentlichen Kredit beglichen wird, verlernt das Schleifen der Kanten.
Die Illusion des unendlichen Wachstums
Urs Wirths steht nun vor der Herausforderung, aus seinem Laborprodukt ein Weltmarktprodukt zu formen, ohne dabei den Boden unter den Füssen zu verlieren. Der Vergleich mit den Schweizer Uhrmachern des 19. Jahrhunderts drängt sich auf, die ohne die Unterstützung eines Innovationsbündnisses auskamen, weil sie das Handwerk bis zur Perfektion beherrschten. Dass heute selbst junge Unternehmen den Weg zum Innosuisse-Direktorin Annalise Eggimann suchen, statt zum Kunden, zeugt von einer bedenklichen Verschiebung der Prioritäten. Wenn das Fördergeld wichtiger wird als das fertige Produkt, dann beginnt das Ende der unternehmerischen Freiheit.
Die Zukunft der Schweizer Industrie liegt nicht in noch mehr Förderzentren, sondern im Mut zur harten Kante und zum Risiko, das man allein trägt. Ohne die Reibung des Marktes verkommt das Unternehmertum zum akademischen Projekt, das bei der ersten echten Krise wie ein schlecht verleimtes Möbelstück unter der Last der Realität auseinanderbricht.





