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Das alpine Energietheater: Warum die Schweiz beim Gondosol-Projekt ihre Souveränität verliert

Der Ausbau alpiner Photovoltaik-Anlagen ist kein Akt ökologischer Erleuchtung, sondern das verzweifelte Eingeständnis einer geopolitischen Abhängigkeit, die den Wirtschaftsstandort Schweiz in ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis drängt.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·31. Oktober 2026·6 Min Lesezeit
Das alpine Energietheater: Warum die Schweiz beim Gondosol-Projekt ihre Souveränität verliert

In der schneebedeckten Winterlandschaft der Schweizer Alpen erzeugen großflächige Photovoltaikanlagen nachhaltigen Strom.

Bild: Pexels / Mikhail Nilov

Das Projekt Gondosol oberhalb von Gondo ist das neueste Exempel für den schweizerischen Hang zum politischen Aktionismus im Windschatten einer drohenden Energiemangellage. Während lokale Akteure wie der Energieversorger EnAlpin die Photovoltaik-Flächen in der kargen Gebirgslandschaft als technologischen Fortschritt verkaufen, offenbart der Blick hinter die Kulissen eine bittere Realität. Die Schweiz operiert nicht in einem Vakuum, sondern versucht krampfhaft, die Versäumnisse einer jahrelangen Energie-Lethargie durch den Zubau von Modulen in einer Höhe zu kompensieren, wo die Sonne zwar heller strahlt, der politische Wille jedoch an der Realität der europäischen Energieunion zerschellt.

Die Illusion der energetischen Autarkie

Unternehmern wie dem CEO von EnAlpin, der die Notwendigkeit dieser Investitionen betont, entgeht dabei der systemische Fehler. Ein solches Projekt ist kein Sicherheitsanker, sondern lediglich ein Symbol. Die Schweiz produziert zwar lokal, bleibt aber im europäischen Stromhandelsnetz gefangen, wo die Preise in Leipzig oder Paris die Margen der Schweizer Industrie diktieren. Ein Blick auf die Daten des Bundesamtes für Energie zeigt, dass auch massive Investitionen in alpine Anlagen kaum die Grundlast-Problematik lösen, die durch den schleichenden Ausstieg aus der Kernkraft entsteht.

Wer in den Alpen nach energetischer Autarkie sucht, findet dort lediglich den Beweis für die eigene globale Irrelevanz.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Machtspiele im Hochgebirge

Der technologische Fokus liegt auf hocheffizienten bifazialen Modulen, die laut Herstellerangaben bei Meyer Burger auch im Winter von der Reflexion des Schnees profitieren. Doch der technologische Optimismus von Unternehmen wie Meyer Burger in Thun täuscht über den strategischen Preis hinweg, den die Schweiz bezahlt. Politiker wie Albert Rösti fordern zwar den massiven Ausbau, ignorieren aber, dass die Schweiz mit jedem neuen Quadratmeter Glas und Silizium am Berg weiter in die Abhängigkeit von globalen Lieferketten gerät, primär aus China. Die Schweiz tauscht ihre Abhängigkeit von Gas und Öl gegen eine Abhängigkeit von Photovoltaik-Rohstoffen und technologischen Komponenten aus Fernost.

Die unternehmerische Falle

Für den Schweizer Unternehmer bedeutet dies eine doppelte Belastung. Er finanziert über steigende Netznutzungsentgelte die überhastete Energiewende und spürt gleichzeitig die Volatilität der Preise, die durch solche politischen Prestigeprojekte nicht geglättet, sondern befeuert werden. Während die Forschung der ETH Zürich die Effizienzpotenziale feiert, vernachlässigt der Diskurs die ökonomische Effizienz des Gesamtsystems. Wenn die Schweiz nicht versteht, dass Energiepolitik Machtpolitik ist, wird sie zur Spielwiese der grossen Akteure.

Das Projekt Gondosol ist ein Mosaikstein einer Strategie, die vor allem Eines beweist: Den mangelnden Mut, die europäische Einbindung und den technologischen Mix – inklusive neuer Kernkraft – unideologisch neu zu bewerten. Die Schweiz spielt mit dem Feuer, indem sie glaubt, die Alpen allein könnten ihren Wohlstand retten.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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