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Die Wehrpflicht als letzte Bastion des Realismus

Der Vorstoss für obligatorische Orientierungstage für Frauen ist kein bürokratischer Akt, sondern eine überfällige Anerkennung der geopolitischen Realität. Wer in einer Welt der schwindenden Sicherheit bestehen will, muss das brachliegende Potenzial der halben Bevölkerung endlich verpflichtend abrufen.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·22. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Die Wehrpflicht als letzte Bastion des Realismus

Eine Schweizer Soldatin steht während eines Einsatzes neben einem Militärhelikopter auf dem Flugplatz Payerne.

Bild: Pexels / Mickäel O'Neill

Die Schweizer Armee agiert seit Jahrzehnten in einem bequemen Dämmerschlaf, während die sicherheitspolitische Architektur Europas mit dem Knall von Raketeneinschlägen in der Ukraine in sich zusammengebrochen ist. Der Bundesrat, unter der Ägide von Verteidigungsministerin Viola Amherd, hat nun den Vorstoss gewagt, junge Frauen obligatorisch zu Orientierungstagen zu verpflichten. Was auf den ersten Blick wie eine bloße Verwaltungsmassnahme gegen den Rekrutierungsmangel wirkt, ist in Wahrheit die letzte Chance auf eine ernstzunehmende Armee im 21. Jahrhundert.

Ein notwendiges Erwachen im Kasernenhof

Unternehmer wie Thomas Hürlimann, ein scharfer Beobachter der Schweizer Sicherheitsarchitektur, betonen stets, dass Stabilität die Grundvoraussetzung für jeden Markterfolg ist. Wenn die Landesverteidigung zur Option für Freiwillige verkommt, entzieht sich die Schweiz der ökonomischen Logik von Angebot und Nachfrage. Ein Staat, der seine Sicherheit nicht flächendeckend organisiert, riskiert, als irrelevante Enklave zwischen den Blöcken zerrieben zu werden. Die Verpflichtung zum Orientierungstag ist der notwendige erste Schritt zur Normalisierung.

Sicherheit ist keine Dienstleistung, die man je nach Lust und Laune bei der Armee einkaufen kann; sie ist ein hart erarbeitetes Privileg, das alle Bürger gemeinsam garantieren müssen.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Zwischen Bürokratie und Überlebensstrategie

Kritiker aus dem rot-grünen Lager wittern bereits die Militarisierung der Jugend, doch diese Sichtweise zeugt von einer historischen Blindheit gegenüber den globalen Machtverschiebungen. Der Wirtschaftsstandort Schweiz mit seinen globalen Player wie ABB oder Roche ist nur so lange sicher, wie das Sicherheitsnetz funktioniert. Wenn wir das Wehrpflichtmodell beibehalten, dann muss es konsequent für alle gelten. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und der strategischen Kapazität, die sich aus der demografischen Realität ergibt.

Man muss Viola Amherd zugestehen, dass sie das politische Minenfeld betritt, um die Armee für die nächste Dekade zu retten. Wer heute bei Unternehmen wie Stadler Rail über die Zukunft der Infrastruktur debattiert, weiss, dass ohne einen funktionierenden Staat keine Investition sicher ist. Die Einbindung junger Frauen ist daher kein ideologisches Experiment, sondern eine ökonomische Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsfähigkeit.

Wir leben in einer Ära, in der sich Europa nicht mehr auf die Pax Americana verlassen kann und die Schweiz nicht mehr auf das Glück der späten Geburt in einer Oase der Neutralität.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Zeit der faulen Kompromisse ist abgelaufen. Das Parlament in Bern steht nun in der Pflicht zu beweisen, ob es die Schweiz als handlungsfähigen Akteur sieht oder nur als gut verwaltetes Museum des Kalten Krieges. Ein obligatorischer Orientierungstag für Frauen ist das absolute Minimum, um die Armee für die Herausforderungen der modernen Welt zu rüsten.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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