Gründerzeit – Journalismus für Unternehmer
Wirtschaft

Der zornige Vulkan und das Ende der globalen Illusion

Der jüngste Ausbruch eines Vulkans in Indonesien ist weit mehr als ein lokales Naturspektakel, er ist das Menetekel für eine hochgradig fragile Weltwirtschaft. Wer glaubt, die Schweizer Exportwirtschaft könne sich hinter den Alpen vor den Unbilden der Globalisierung verstecken, hat den Schuss – oder besser: die Eruption – nicht gehört.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·25. Oktober 2026·3 Min Lesezeit
Der zornige Vulkan und das Ende der globalen Illusion

Frühmorgendliche Stille auf dem Rollfeld: Frachtflugzeuge warten infolge des Vulkanausbruchs auf dem Boden.

Bild: Pexels / Soly Moses

Ein Staubkorn bringt das Kartenhaus zum Einsturz

Wenn in Indonesien die Erde bebt und der Äther sich mit Asche füllt, spürt man das in den Verwaltungsratssitzungen in Zürich und Zug deutlicher als die eigene Wetterprognose. Laut Berichten von SRF International hat der Vulkanausbruch bereits über 200 Flüge in Jakarta neutralisiert, was den ohnehin fragilen Rhythmus internationaler Logistikketten in eine Schockstarre versetzt. Für ein Land, das seine Identität aus dem Export hochspezialisierter Komponenten zieht, ist diese physische Unterbrechung ein existenzielles Risiko.

Die Arroganz der kurzen Wege

Unternehmer wie Thomas Hiestand, CEO von spezialisierten Zulieferfirmen, müssen nun erkennen, dass ihr Modell der Just-in-time-Logistik eine hochmütige Fehlplanung ist. Es ist bezeichnend, wie rasch eine natürliche Eruption die industrielle Eleganz in ein logistisches Chaos verwandelt. Während die Logistikexperten von Kühne+Nagel fieberhaft nach Ausweichrouten suchen, offenbart sich die bittere Wahrheit einer vernetzten Welt, in der ein einzelner Vulkan das Schicksal eines KMU besiegeln kann.

Die Illusion der absoluten Kontrolle über globale Lieferketten ist das gefährlichste Konstrukt im modernen Management.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Das Ende der Schweizer Sonderrolle

Wer die globalen Machtverhältnisse betrachtet, erkennt, dass die Schweiz längst kein isolierter Hort der Stabilität mehr ist. Politische Strategen wie der Bundesrat Guy Parmelin müssten eigentlich verstehen, dass jede Störung in den Knotenpunkten Asiens direkt auf unsere Bilanzen durchschlägt. Es reicht nicht aus, neutral in Bern zu sitzen, während die Versorgungsadern der Weltwirtschaft verstopfen. Die Schweiz ist kein Beobachter, sie ist ein Akteur, der jeden Tag aufs Neue beweisen muss, dass er die Welt noch versteht.

Wer sich auf die Unveränderbarkeit der Lieferketten verlässt, arbeitet bereits an seiner eigenen Abwicklung.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Geologie nimmt keine Rücksicht auf Quartalsberichte oder die Wachstumsziele von ABB oder Nestlé. Wahre Souveränität zeigt sich nicht in der Abschottung, sondern in der Fähigkeit, auch bei einem Ascheregen am anderen Ende der Welt handlungsfähig zu bleiben.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

Mehr von diesem Autor →

Mehr zum Thema