Wenn die Forscher um Professor Dimos Poulikakos an der ETH Zürich ihre Laborinstrumente beiseitelegen, beginnt für ein Spin-off nicht die Ära der schnellen Exit-Strategien, sondern das eigentliche Ringen mit der Materie. Es ist ein Prozess, der an die Arbeit eines Schweizer Uhrmachers erinnert, der ein kompliziertes Räderwerk in ein Gehäuse zwingt, das erst unter widrigen Bedingungen seine wahre Beständigkeit beweisen muss. Die Geschichte von FenX, das aus dem Labor von Professor Wendelin Stark hervorging, illustriert diesen schmerzhaften Übergang von der akademischen Eleganz zur industriellen Nüchternheit in exzellenter Weise.
Die Illusion der grenzenlosen Agilität
In den Fluren rund um den Campus Hönggerberg wird oft vergessen, dass ein Patent noch lange kein Produkt ist. Während Investoren wie jene von b-to-v Partners in St. Gallen nach Skalierbarkeit rufen, verlangen die physikalischen Gesetze nach Standhaftigkeit. Es ist eine gefährliche Verblendung, wenn junge Gründer glauben, sie könnten die komplexen Prozesse der Materialwissenschaft mit einem agilen Manifest beschleunigen. Wahre Innovation gedeiht nicht im klimatisierten Coworking-Space, sondern im harten Dialog mit dem Kunden, der ein fehlerhaftes Bauteil postwendend zurückschickt.
Ein Spin-off ist kein Software-Update, das man über Nacht ausrollt, sondern ein physisches Objekt, das gegen die Trägheit des Marktes bestehen muss.
— Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Vom Labor zur harten Arbeit am Werkstück
Man betrachte den Fall von ETH-Absolvent Etienne Jeoffroy, der mit seiner Firma FenX die Baubranche revolutionieren wollte. Er musste lernen, dass ein hochkomplexes Isolationsmaterial aus mineralischen Abfällen zwar im Labor brilliert, aber auf einer verregneten Baustelle im Kanton Zug ganz anderen Belastungen ausgesetzt ist. Laut einer Studie der ETH Zürich scheitern viele Spin-offs nicht an der genialen Erfindung, sondern an der Ignoranz gegenüber der etablierten Wertschöpfungskette. Handwerkskunst erfordert Geduld, eine Tugend, die im Zeitalter der schnellen Finanzierungsrunden fast vollständig verloren gegangen ist.
Innovation ist der lange, mühsame Weg von der ersten Skizze auf dem Notizblock bis zur Serienreife unter dem kritischen Blick der Zunft.
— Quelle: ETH Transfer Report, 2023
Die Schweizer Industrie braucht keine weiteren glatten Softwarelösungen, die sich in einer Cloud auflösen. Sie braucht Unternehmen, die den Mut aufbringen, echte Probleme mit Substanz zu lösen. Wenn ein Spin-off wie FenX den Sprung schaffen will, muss es den Geist eines alten Handwerkermeisters atmen. Wer den Weg vom Labor zum Markt gehen will, sollte weniger Zeit in Pitch-Decks investieren und mehr Zeit in der Fabrikationshalle verbringen, um zu verstehen, wie das Material unter Druck tatsächlich reagiert.





