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Wirtschaft

Das Telco-Kartell am Pranger: Wenn Bequemlichkeit zum Standortnachteil wird

Der Schweizer Telekommunikationsmarkt gleicht zunehmend einem feudalistischen Gehege, in dem Bestandeskunden als Melkkühe dienen. Während Swisscom, Sunrise und Salt die Preise anziehen, entpuppt sich der Wechsel des Anbieters als notwendiger Akt des zivilen Ungehorsams.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·28. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Das Telco-Kartell am Pranger: Wenn Bequemlichkeit zum Standortnachteil wird

Moderne Server-Infrastrukturen bilden das technische Rückgrat der heutigen Telekommunikationsbranche.

Bild: Pexels / panumas nikhomkhai

Die Marktdynamik in der Schweiz ist seit Jahren von einer bequemen Trägheit geprägt, die den grossen Playern wie der von Christoph Aeschlimann geführten Swisscom in die Hände spielt. Wer glaubt, Treue werde belohnt, unterschätzt die kalte Logik des Shareholder-Value. Aktuelle Preisrunden zeigen deutlich, dass die Infrastrukturkosten primär auf jene abgewälzt werden, die zu träge sind, den Kündigungsbutton zu finden.

Die Illusion der Markttreue

Es herrscht eine gefährliche Selbstgefälligkeit in den Schweizer Teppichetagen, als sei der Kunde ein Leibeigener, der keine Alternativen kennt. Dabei ist der Wechsel zu Anbietern wie Salt, unter CEO Max Nunziata, oder Sunrise, geführt von André Krause, kein Verrat am Standort, sondern eine ökonomische Notwendigkeit. Die jüngsten Analysen von SRF Wirtschaft bestätigen, dass Neukunden durch aggressive Lockangebote massiv profitieren, während Bestandeskunden die Zeche für die Renditeziele zahlen. Wer heute nicht vergleicht, finanziert indirekt die Dividenden der Telco-Giganten, anstatt das eigene Kapital effizienter einzusetzen.

In der Schweizer Wirtschaft ist Loyalität oft nur ein Synonym für mangelnde Marktübersicht und kollektive Bequemlichkeit.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Unternehmerische Blindheit

Besonders für Gründer und KMU-Chefs ist diese Ignoranz fatal. Ein Unternehmen, das bei seinen Fixkosten blind den Preiserhöhungen von Swisscom oder Sunrise folgt, verschwendet Liquidität, die in Innovationen investiert werden sollte. Unternehmerische Exzellenz beginnt bei der kritischen Prüfung jeder operativen Ausgabe, vom Serverraum bis zum Mitarbeiter-Mobilfunk. Wer sich im globalen Wettbewerb behaupten will, muss die lokalen Strukturen als das begreifen, was sie sind: Machtspiele um Marktanteile, bei denen der Kunde nur dann gewinnt, wenn er den Hebel ansetzt.

Die Schweiz ist kein abgeschlossenes Biotop. Die digitale Souveränität, die oft als Vorwand für hohe Preise dient, ist bei genauerem Hinsehen oft nur ein Vorhang für eine verkrustete Preisgestaltung. Wenn Marktteilnehmer wie Sunrise oder Salt ihre Tarife anpassen, sollten Unternehmer nicht zögern, den Anbieter zu wechseln. Die Loyalität gehört dem eigenen Unternehmen und dessen Erfolg, nicht dem Anbieter, der die nächste Preiserhöhung bereits in der Pipeline hat. Wer als Unternehmer zu faul zum Wechseln ist, hat den Wettbewerb bereits verloren.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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