Marc Walder, der CEO von Ringier, inszeniert den Wandel gerne als Agilität. Doch wenn ein Flaggschiff wie der Sonntagsblick umgetauft wird, riecht das nach Panik. Das neue Konzept, der Blick fürs Wochenende, ist der Versuch, den Zeitgeist in ein PDF-Format zu zwingen. Wer glaubt, durch ein neues Branding die sinkenden Auflagenzahlen zu stoppen, hat den digitalen Wandel nicht verstanden.
Ein Sargnagel namens Tradition
Unternehmen wie Ringier klammern sich an tote Formate, während die Welt längst anders konsumiert. Die Umstellung auf den Blick fürs Wochenende ist ein kosmetischer Eingriff an einem Patienten, der eine radikale Operation benötigt hätte. Wenn die Werbeeinnahmen wegbrechen, reicht eine neue Verpackung nicht aus, um das Vertrauen der Leser zurückzugewinnen.
Ein Medienhaus, das den Sonntagsblick opfert, um das Wochenende zu retten, beweist nur eines: Es hat die Kontrolle über seine Marke längst verloren.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Die Rechnung der Ignoranz
Schauen wir auf die nackten Zahlen. Laut den aktuellsten Erhebungen der WEMF sinkt die Reichweite gedruckter Zeitungen stetig. Ringier-Verwaltungsratspräsident Michael Ringier muss sich die Frage gefallen lassen, warum der Prozess der Digitalisierung so schleppend verlief. Für Schweizer Unternehmer ist dies ein warnendes Beispiel: Wer auf althergebrachte Geschäftsmodelle setzt, während der Wind sich dreht, baut sein eigenes Grab.
Strategie oder Kapitulation
Es geht nicht um Journalismus, es geht um Bilanzhygiene. Wenn man das Produkt in den digitalen Äther schickt, ohne ein tragfähiges Abo-Modell abseits von Push-Benachrichtigungen zu etablieren, droht das Ende. Der Blick fürs Wochenende ist keine Innovation. Es ist der Versuch, die Stille vor dem Sturm mit neuem Namen zu übertönen.
Wer in der Schweiz heute noch auf Print setzt, ohne eine glasklare digitale Exit-Strategie zu haben, spielt mit der Zukunft seines Unternehmens.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Was hier geschieht, betrifft jeden Gründer. Wer sich nicht traut, das Alte konsequent zu beerdigen, um Platz für das Neue zu schaffen, wird von der Konkurrenz überrollt. Ringier zeigt uns, wie man den Niedergang verwaltet, statt den Aufbruch zu wagen.





