Die Arroganz der Schweizer Wohlstandsgesellschaft kennt keine Grenzen, nicht einmal am Genfersee. Während Forscher der EPFL und der Universität Lausanne unter der Leitung von Professor Florian Breider mit einer neuen, präzisen Analytik den Schleier lüfteten, starrt die Nation in einen Abgrund aus Mikroplastik. Dass die Konzentration 656-mal höher ausfällt als in früheren, wohl absichtlich optimistisch gestalteten Schätzungen, ist kein statistischer Fehler. Es ist ein Offenbarungseid unserer ökologischen Ignoranz.
Der industrielle Dorn im Auge
Unternehmer wie Jean-Claude Biver mögen die Schweizer Präzision besungen haben, doch bei der Entsorgung und Materialwahl agiert der hiesige Mittelstand oft mit einer Sorglosigkeit, die historisch an den Raubbau der frühen Industrialisierung erinnert. Die Kunststoff-Flut im Lac Léman ist keine Naturkatastrophe, sondern das Resultat unternehmerischer Bequemlichkeit. Wenn Unternehmen wie Logitech oder grosse Schweizer Detailhändler weiterhin auf billige Polymere setzen, ohne die gesamte Wertschöpfungskette ökologisch zu schließen, züchten sie den Bumerang, der sie bald wirtschaftlich treffen wird.
Wir verwechseln die Reinheit unserer alpinen Seen mit der Unschuld unserer industriellen Prozesse, doch die Natur führt eine unerbittliche Buchhaltung.
— Quelle: Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Ein teurer Weckruf für den Wirtschaftsstandort
Die Politik, vertreten durch Leute wie Bundesrat Albert Rösti, wird dieses Problem nicht mit wohlwollenden Absichtserklärungen lösen. Es braucht regulatorische Daumenschrauben, die über das übliche Maß hinausgehen. Für Schweizer Firmen bedeutet dies: Wer bei der Materialforschung nicht investiert, wird im globalen Wettbewerb als ökologischer Paria dastehen. Investoren wie jene hinter der Banque Pictet beginnen bereits, Risikoprofile neu zu bewerten, wenn Unternehmen ihre Abfallbilanz nicht im Griff haben.
Die Schweiz ist kein abgeschlossenes System, auch wenn das manche im Bundeshaus gerne glauben. Mikroplastik kennt keine Landesgrenzen und die europäische Regulatorik wird schon bald den Druck massiv erhöhen. Wer jetzt nicht radikal in nachhaltige Polymere und Kreislaufwirtschaft investiert, der investiert in den eigenen Ruin. Die Zeit der billigen Ausreden am Ufer des Genfersees ist endgültig vorbei.





