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Das Kraftwerk als Tatort: Wenn Sicherheit hinter Profiten ansteht

Der schwere Unfall in Piotta ist kein Unglück, sondern ein Armutszeugnis für die Schweizer Infrastruktur-Strategie. Während wir von Energiewende träumen, lassen wir unsere Arbeiter in veralteten Anlagen bluten.

Célina Bargémy
Célina Bargémy·21. Oktober 2026·3 Min Lesezeit
Das Kraftwerk als Tatort: Wenn Sicherheit hinter Profiten ansteht

Das Innere des Kraftwerks zeigt die massiven Maschinen und das stählerne Gerüst der Anlage in Schwarz-Weiß.

Bild: Pexels / Yetkin Ağaç

Zwei Schwerverletzte in Piotta. Die Rega ist bereits wieder abgerückt, der Staub legt sich über die Tessiner Alpen. Doch die eigentliche Wunde klafft in der Bilanzen-Logik der Schweizer Energiekonzerne. Während CEOs wie Benedikt Lomazzo von Alpiq auf Hochglanz-Präsentationen die Versorgungssicherheit als heiligen Gral verkaufen, scheint die Realität in den Betonhallen ganz anders auszusehen. Sicherheit ist ein Kostenpunkt. Ein Kostenpunkt, den man gerne durch Optimierungsprogramme drückt.

Ein System mit Bruchstellen

Warum passiert so etwas im hochtechnisierten Kraftwerk-Sektor der Schweiz? Es geht um die Abnutzung der Assets, die oft älter sind als die Digitalstrategien der heutigen Führungsebene. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, wenn Wartungszyklen auf das Minimum reduziert werden, um die Margen für Investoren wie die Kantone oder institutionelle Anleger attraktiv zu halten. Wenn die Infrastruktur bröckelt, reicht kein politisches Bekenntnis zum Ausbau der Wasserkraft.

Die Effizienzsteigerung ist oft nur ein Synonym für das Ignorieren von Sicherheitsrisiken, bis das nächste Unglück eine Investition in die Instandhaltung erzwingt.

— Célina Bargémy, Gründerzeit

Wer trägt die Verantwortung

Schauen wir uns die Akteure an. Wo bleibt die Transparenz bei der Wartung kritischer Infrastrukturen? Es reicht nicht, nach dem Unfall die Schuld auf äußere Umstände zu schieben. Verwaltungsräte, die sich nur für Renditen interessieren, aber die operative Sicherheit in den Kraftwerken vernachlässigen, spielen mit dem Leben ihrer Angestellten. Ein Unfall in Piotta ist nicht nur ein technisches Versagen, es ist ein moralisches Versagen der Geschäftsleitung.

Sicherheit darf niemals gegen operative Kennzahlen aufgewogen werden, denn der Preis für diesen Irrtum wird in Menschenleben bezahlt.

— Célina Bargémy, Gründerzeit

Die Schweizer Industrie muss aufwachen. Die stolze Schweizer Ingenieurskunst zerfällt zu Staub, wenn der Druck auf die Belegschaft steigt und die Kontrolle nachlässt. Politiker wie Albert Rösti fordern zwar mehr Leistung aus den Anlagen, aber wer kontrolliert die physische Integrität der Schweizer Kraftwerke fernab der Wahlkampfbühnen? Die Antwort bleibt uns die Branche schuldig. Piotta ist eine Warnung, die wir ignorieren, weil sie nicht in den grünen Finanzbericht passt.

Célina Bargémy
Célina Bargémy

Daten-Detektivin. Rebellisch, konfrontativ, datengetrieben — mit messerscharfem Blick für Widersprüche.

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