Die Schweizer Wirtschaft gleicht seit jeher einem Präzisionswerk, das unter dem Druck der Devisenmärkte zu bersten droht. Wenn die Schweizerische Nationalbank, wie unter Thomas Jordan geschehen, die Zügel lockert oder strafft, erzittern die Fundamente der Exportindustrie. Edouard Meylan, der den Kurs der Uhrenmanufaktur H. Moser & Cie. in Neuhausen am Rhein bestimmt, versteht das Unternehmertum nicht als Spielwiese für Modewörter, sondern als lebenslange Verpflichtung gegenüber der materiellen Substanz. Während andere Firmen ihre Strategien in wöchentlichen Meetings neu erfinden, setzt man in der Schaffhauser Traditionsregion auf die stoische Ruhe des alten Handwerks.
Die Arroganz der Kurzfristigkeit
Moderne Managementlehren verkünden den Untergang all jener, die nicht permanent ihre Geschäftsmodelle zerlegen und neu zusammensetzen. Doch gerade der Druck des starken Frankens entlarvt die Fragilität dieser modernen Management-Hektik. Wer als Unternehmen nur über den Preis konkurriert, verliert bei jeder Aufwertung der Währung zwangsläufig an Boden. Die echten Gewinner in diesem Umfeld sind jene, die sich so tief in den Resonanzboden ihrer Nische eingraben, dass der Wechselkurs zu einer bloßen Randnotiz degradiert wird.
Ein starker Franken ist kein Schicksalsschlag, sondern der ultimative Qualitätstest für den Stolz eines Schweizer Unternehmers.
— Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Widerstand durch Substanz
In der Manufaktur von H. Moser & Cie. wird nicht in Quartalsberichten gedacht, sondern in Generationen. Wenn Edouard Meylan die Preise anpassen muss, dann geschieht dies nicht mit der zittrigen Hand des Verzweifelten, sondern mit der Überzeugung, dass ein Zeitmesser aus massivem Gold seinen Wert nicht durch einen Währungshandel verliert. Es ist jene archaische Form der Wertschöpfung, die sich der digitalen Entfremdung entzieht. Hier wird Stahl gefeilt und nicht in Cloud-Umgebungen optimiert.
Die Schweizer Industrie krankt an der zunehmenden Verkopftheit. Wir bauen keine Uhren oder Maschinen mehr, sondern wir verwalten Schnittstellen. Wenn der Franken drückt, offenbart sich die Hohlheit dieses Managements, das nur noch in Excel-Tabellen existiert. Wahre Stärke wächst im Atelier, nicht im Konferenzraum der Strategieberater. Es ist die Anonymität der globalen Finanzströme, die das lokale Handwerk bedroht, doch das Handwerk ist die einzige Kraft, die dieser Anonymität ein Gesicht, eine Seele und einen fairen Preis entgegensetzen kann.
Die Rückkehr zum Wesentlichen
Die Schlussfolgerung ist schmerzhaft für alle, die auf schnelle Renditen hoffen. Wer nicht bereit ist, in den harten Stein der eigenen Qualität zu meißeln, wird vom Franken hinweggefegt. Die Zukunft gehört nicht den Agilen, sondern den Beharrlichen. Wer heute noch glaubt, durch Kostensenkungen und Outsourcing den Schweizer Standort retten zu können, hat die Lektion der vergangenen Jahrzehnte nicht verstanden.
Man muss die Uhr nicht neu erfinden, man muss sie nur endlich wieder so bauen, dass sie den Stürmen der Zeit trotzt. Edouard Meylan und sein Team führen vor, wie man trotz einer überbewerteten Währung bestehen kann: durch kompromisslose Differenzierung. Es ist Zeit, die Stoppuhr des Hype-Zyklus wegzulegen und wieder mit dem Hammer auf den Amboss zu schlagen, anstatt nur über die Effizienz des Hammerschlags zu philosophieren.





