Die Wissenschaftler um Professor Ben Moore an der ETH Zürich haben offenbar beschlossen, dass die irdischen Probleme zu klein geworden sind. Wenn die Forschungsabteilung eine Allianz mit dem Seti-Institut in Kalifornien schmiedet, dann geht es nicht um bescheidene Effizienzsteigerungen oder neue Patente für den Maschinenbau. Es ist die Suche nach dem ultimativen Existenzbeweis, während Unternehmer wie der SpaceX-Gründer Elon Musk bereits die Mars-Kolonisierung als neues Geschäftsmodell vorantreiben. Die Schweizer Präzision sucht nun also im interstellaren Rauschen nach Signalen, die klüger sind als das, was derzeit im Bundeshaus verhandelt wird.
Ein teurer Blick in den Abgrund
Man muss sich die Frage stellen, welcher Renditeerwartung diese wissenschaftliche Eskapade eigentlich folgt. Wenn Forscher wie Kai Staats vom Seti-Institut gemeinsam mit dem Zürcher Team versuchen, die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln, dann fließen Steuergelder und Investorengelder in ein Projekt, dessen Marktzugang eher hypothetisch bleibt. Für den Zürcher Unternehmer, der an Quartalszahlen und Exportzölle gebunden ist, wirkt dieses Unterfangen wie ein exzentrischer Ausflug in die Metaphysik.
Die Suche nach ausserirdischer Intelligenz ist die ultimative Versicherungspolice gegen die eigene Bedeutungslosigkeit einer technologisch stagnierenden Nation.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die geopolitische Relevanz der Leere
Warum also engagiert sich eine Institution wie die ETH Zürich in diesem kosmischen Poker? Die Antwort liegt in der notwendigen Selbstdarstellung der Schweiz als globaler Hub für bahnbrechende Innovationen. In einem Europa, das sich zunehmend in regulatorischen Fesseln verstrickt, ist der Rückzug in die Astro-Physik eine Flucht nach vorne. Es ist der elitäre Anspruch, bei der Entdeckung der ultimativen Wahrheit ganz vorne mitzuhalten, selbst wenn man dafür Millionen in die Funkstille des Alls schickt.
Wenn man bedenkt, wie schwer es bereits ist, ein Freihandelsabkommen mit Brüssel zu verhandeln, wirkt die Hoffnung auf eine Kommunikation mit fremden Zivilisationen fast schon erfrischend naiv. Dennoch bleibt festzuhalten: Wer die Grenzen des Wissens verschiebt, sichert sich die intellektuelle Vormachtstellung. Die Kooperation mit den Amerikanern ist hierbei ein notwendiger Schritt, denn in der Schwerelosigkeit der Weltpolitik gibt es keine neutralen Beobachter, sondern nur Akteure, die das nächste Signal als Erste empfangen wollen.





