Der Weg eines ETH-Spin-offs ist selten die geradlinige Autobahn, als die sie von Business-Angel-Konferenzen gerne verkauft wird. Vielmehr gleicht der Prozess der Entwicklung von der ersten Idee im Reinraum bis zum marktreifen Produkt der Arbeit eines Uhrmachers, der unter Zeitdruck ein Kaliber ohne Sekundenzeiger fertigen muss. Wo an der ETH Zürich Forscher wie Professor Christofer Hierold in der Mikro- und Nanosystemtechnik Perfektion im Vakuum zelebrieren, verlangt der Markt draussen ein schmutziges, lautes und vor allem schnelles Resultat. Dieser Kontrast zwischen der wissenschaftlichen Sorgfalt und dem digitalen Agilitätshype gleicht dem Versuch, ein schweres Eichenmöbelstück in ein modernes Leichtbau-Gestell zu zwängen. Die Substanz leidet unter der Eile.
Der Illusion der schnellen Skalierung Die Geschichte von Firmen wie Spectros Instruments zeigt, wie schwierig die Überführung von komplexer Technologie in reale industrielle Anwendung ist. Hier trifft das Schweizer Ingenieurwesen auf den harten Wind der Globalisierung, wo Venture-Capital-Geber wie Marc P. Bernegger oft kurzfristige Exit-Strategien verfolgen, anstatt das langsame Reifen einer technologischen Innovation über Jahrzehnte hinweg zu begleiten. Es ist eine Fehlannahme, dass technischer Fortschritt wie eine Software-App in Sprints entwickelt werden kann. Wahre Wertschöpfung in der Schweiz speist sich aus der Tiefe des Fundaments, nicht aus der Höhe der Pitch-Decks.
Wer die physikalische Integrität einer Innovation opfert, um den vierteljährlichen Erwartungen von Investoren zu genügen, handelt nicht unternehmerisch, sondern fahrlässig. — Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit





