Urs Baumann hat das Steuer der Zürcher Kantonalbank übernommen und verspricht das digitale Paradies. Die PR-Abteilung glüht, die Schlagworte fliegen tief. Doch wer die Bilanzen der letzten Geschäftsjahre seziert, sieht vor allem eines: explodierende Kosten für IT-Projekte, die in der Praxis oft nur die Oberfläche polieren. Während die Bank sich als Innovationstreiberin inszeniert, kämpfen Schweizer Unternehmer mit der Realität von langsamen Kreditprozessen und starren Schnittstellen.
Die Fassade der Algorithmen
Das Kernbankensystem der Zürcher Kantonalbank ist ein digitales Museumsstück, das mit einer schicken App übertüncht wird. Es reicht nicht, das Interface modern zu gestalten, wenn im Hintergrund noch immer manuelle Prüfprozesse die Dynamik ersticken. Die Milliardeninvestitionen in die digitale Transformation, wie sie im Geschäftsbericht 2023 detailliert aufgeführt werden, wirken wie der verzweifelte Versuch, das 20. Jahrhundert in das 21. zu zwingen. Kundenorientierung sieht anders aus als eine automatisierte E-Mail-Antwort nach drei Tagen.
Wahre Digitalisierung findet in der Logik der Entscheidung statt, nicht im Design des Dashboards.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Wer in den Bilanzen sucht, findet dort enorme Ausgaben für Beratungshäuser wie McKinsey oder Accenture. Das Geld fliesst in Strategiepapiere, während die IT-Abteilung in der Hardstrasse bei der Migration von Altsystemen feststeckt. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Selbstdarstellung und operativer Trägheit ist ein Schlag ins Gesicht für jedes Start-up, das auf schnelle Finanzierungen angewiesen ist.
Wenn die Zahlen den Glanz verraten
Ein Blick auf das Verhältnis von IT-Investitionen zu realem Produktivitätsgewinn entlarvt das Märchen von der Effizienzsteigerung. Laut Daten der Finanzmarktaufsicht FINMA sind die operativen Kosten der Grossbanken im digitalen Bereich überproportional gestiegen, ohne dass sich die Bearbeitungszeit für komplexe KMU-Kredite signifikant verkürzt hätte. Die Strategie unter Baumann wirkt wie ein Schutzschild gegen den Wettbewerb durch FinTechs, doch dieses Schild ist löchrig.
Die digitale Transformation ist bei der Zürcher Kantonalbank zum kostspieligen Fetisch geworden, der das Kerngeschäft eher behindert als beflügelt.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Die Schweizer KMU-Landschaft braucht keine glänzenden Apps von Institutionen, die beim ersten Anzeichen von Volatilität die Risikoprüfung verschärfen. Sie brauchen funktionierende API-Schnittstellen und automatisierte Prozesse, die wirklich auf Daten basieren und nicht auf dem Bauchgefühl eines Kreditsachbearbeiters in einer Zürcher Filiale. Solange die Bank das System nicht von Grund auf neu denkt, bleibt die Digitalisierung nur eine teure Maskerade für die Anteilseigner.





