Die alte Bundesrepublik ist tot, begraben unter den Trümmern verloren gegangener Konsense. Während in Berlin die politische Klasse panisch die Brandmauern prüft, beginnen die Schweizer Konzernlenker erst langsam zu begreifen, dass ihr wichtigster Absatzmarkt in eine Phase der Volatilität driftet, wie sie seit dem Mauerfall nicht mehr existiert. Wer glaubt, die Stabilität des Standorts Deutschland sei eine gottgegebene Konstante, hat die Geschichte der letzten Jahrzehnte nicht verstanden.
Ein Riss im Fundament Europas
Unternehmer wie Thomas Senn von der Georg Fischer AG müssen nun kalkulieren, wie sich protektionistische Tendenzen einer erstarkten Opposition auf die Lieferketten auswirken werden. Der deutsche Maschinenbau, ein enger Partner Schweizer Präzisionsarbeit, steht vor einer Zerreißprobe. Es geht nicht mehr um Parteiprogramme, sondern um den industriellen Kern, der durch die politische Polarisierung gelähmt wird. Die Schweiz, oft im Wahn der eigenen Souveränität gefangen, wird unsanft feststellen, dass ihre Wirtschaft eng mit einem Deutschland verwoben ist, das sich zusehends nach innen richtet.
Der deutsche Wahlsieg ist der letzte Sargnagel für das europäische Einheitsmärchen, das unsere Industriekapitäne so gerne als Schutzschild vor dem Risiko benutzten.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Illusion der Neutralität im Sturm
Es ist naiv zu glauben, dass sich Schweizer Firmen in dieser neuen Ära hinter dem neutralen Banner verstecken können. Wenn die politischen Strömungen in Sachsen oder Thüringen, wie laut den Analysen von ARD und ZDF geschehen, den wirtschaftspolitischen Diskurs dominieren, werden globale Player wie die Zurich Insurance Group unter Führung von Mario Greco zwangsläufig ihre Risikomodelle anpassen müssen. Das Risiko einer schleichenden Entkoppelung ist real, die Kosten für diese Ignoranz wird der Wirtschaftsstandort Schweiz tragen.
Deutschland ist nicht der ferne Nachbar, sondern das offene Fenster, durch das der Sturm direkt in unsere Bilanzen weht.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Zeit der bequemen Distanz ist vorbei. Wer jetzt nicht erkennt, dass die politische Architektur Europas neu vermessen wird, der hat seinen Platz im internationalen Machtgefüge bereits verloren. Es ist an der Zeit, dass Schweizer Entscheidungsträger wie etwa Adecco-Chef Denis Machuel den Dialog über die wirtschaftliche Resilienz jenseits der üblichen diplomatischen Phrasen führen. Sonst endet der deutsche Scherbenhaufen in einer Schweizer Rezession.





