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Der Renten-Bluff: Warum Schweizer Gründer ihr eigenes Alter ruinieren

Der Traum vom schnellen Cash bei der Pensionierung ist eine gefährliche Illusion. Wer sein Pensionskassengeld auf einen Schlag abhebt, überschätzt seine Finanzkompetenz massiv und steuert direkt auf eine Versorgungslücke zu.

Célina Bargémy
Célina Bargémy·23. Oktober 2026·3 Min Lesezeit
Der Renten-Bluff: Warum Schweizer Gründer ihr eigenes Alter ruinieren

Eine Hand platziert eine Münze in ein schwarzes Sparschwein inmitten verstreuter Geldstücke.

Bild: Pexels / cottonbro studio

Die Schweizer Altersvorsorge ist kein Spielcasino. Doch genau so behandeln viele Unternehmer ihr Vorsorgekapital, wenn sie die Pensionierung erreichen. Anstatt sich auf die lebenslange Sicherheit der Rente zu verlassen, wählen immer mehr Versicherte den Kapitalbezug. Das Ziel: Freiheit, Investitionen oder der Traum vom luxuriösen Ruhestand. Die Realität: Eine Wette gegen die eigene Langlebigkeit, die meistens verloren geht.

Die Rechnung ohne das Alter

Experten wie der Finanzwissenschaftler Reiner Eichenberger warnen seit Jahren vor einer fatalen Selbstüberschätzung. Wer das Kapital bezieht, ist plötzlich sein eigener Anlageverwalter. Das klingt für einen Gründer, der sein Unternehmen erfolgreich durch stürmische Zeiten geführt hat, verlockend einfach. Doch die Komplexität der Finanzmärkte lässt sich nicht mit einem Geschäftsmodell vergleichen. Laut Analysen von SRF Wirtschaft unterschätzen die meisten Rentner ihre eigene Lebenserwartung und die damit verbundenen Kosten massiv.

Wer das Kapital bezieht, tauscht eine lebenslange Garantie gegen eine unkalkulierbare Eigenverantwortung ein. Wer sich dabei verrechnet, hat keine zweite Chance.

— Célina Bargémy, Gründerzeit

Wenn Freiheit zur Armutsfalle wird

Unternehmer wie Thomas P. aus Zug haben dies schmerzlich erfahren. Nach dem Verkauf seines Tech-Startups wählte er beim Austritt aus der Pensionskasse das gesamte Kapital. Die steuerliche Belastung war hoch, die Anlagestrategie zu riskant, die Inflation frass die Substanz schneller auf als geplant. Heute steht er vor einem Scherbenhaufen, den eine klassische Rente locker aufgefangen hätte. Die Schweizerische Nationalbank zeigt in ihren Berichten regelmässig, dass volatile Märkte keine Spielwiese für das Ersparte sind, das eigentlich die Grundbedürfnisse decken sollte.

Ein System am Limit

Warum halten wir an diesem Wahlrecht fest, wenn es offensichtlich so oft in den Ruin führt? Vielleicht weil wir den Schweizer Stolz auf die Eigenverantwortung mit Dummheit verwechseln. Es ist an der Zeit, den Kapitalbezug als das zu demaskieren, was er ist: Ein hochriskantes Finanzinstrument, das in den Händen von Laien nichts verloren hat. Wer glaubt, er könne den Markt besser schlagen als die kollektiven Vorsorgeeinrichtungen, hat bereits verloren.

Quellen

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/pensionskassengeld-kapitalbezuege-statt-rente-das-risiko-der-selbstueberschaetzung

Célina Bargémy
Célina Bargémy

Daten-Detektivin. Rebellisch, konfrontativ, datengetrieben — mit messerscharfem Blick für Widersprüche.

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