Das Metier der beharrlichen Hand
Man muss sich die Tätigkeit von Peter Niederhauser und seinem Team bei Redalpine vorstellen wie die eines Uhrmachers aus dem Vallée de Joux, der sich weigert, ein mechanisches Uhrwerk gegen einen billigen Chip auszutauschen. Während der Rest der Szene im Rausch der digitalen Agilität von einer Finanzierungsrunde zur nächsten stolpert, bleibt bei Redalpine eine fast schmerzhafte Präzision in der Auswahl der Firmen erkennbar. Es ist ein Handwerk, das nicht auf die schiere Geschwindigkeit des Wachstums setzt, sondern auf die Solidität des Fundaments, ganz so wie ein Bündner Meister, der das Holz für den Dachstuhl erst nach Jahren der Reife schlägt.
Eine Investition in die Substanz statt in den Hype
Besonders deutlich wurde dies beim Engagement bei Firmen wie Axonlab oder dem rasant wachsenden Fintech-Unternehmen Neon, wo nicht der bloße Algorithmus, sondern der Mehrwert für die schweizerische Wirtschaft im Zentrum steht. Nach Angaben des Swiss Venture Capital Report 2024 ist das investierte Kapital zwar volatil, doch Redalpine verankert ihre Schützlinge in der realen Wertschöpfung. Der digitale Buzzword-Dschungel, der sonst die Zürcher Büros vernebelt, scheint vor den Türen der Redalpine-Büros in der Nähe des Paradeplatzes abzuprallen. Es wird dort nicht in Träume investiert, sondern in die Skalierbarkeit von Schweizer Qualität, was in einer Welt des schnellen Konsums fast anachronistisch wirkt.
Wahre Innovation ist kein Sprint über eine digitale Ziellinie, sondern ein mühsamer Aufstieg an einem alpinen Grat, bei dem jeder Schritt durch harte Substanz gesichert sein muss.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Die Gefahr der Entfremdung vom Werkstück
Es ist ein gefährliches Spiel, wenn Start-ups nur noch für den Exit bei einem amerikanischen Tech-Riesen geformt werden, anstatt sich als eigenständige Schweizer Industriegrößen zu etablieren. Wenn Gründer wie Jörg Sandrock von Neon nicht aufpassen, riskieren sie den Verlust jener schweizerischen Tugenden, die das Vertrauen der Kunden erst ermöglicht haben. Die Versuchung, das Werkstück zugunsten einer schnellen Rendite zu verheizen, ist so groß wie die Gier nach schnellem Feuerholz im Winter, doch am Ende steht oft die leere Werkstatt. Redalpine agiert hier als der notwendige Mahner, der die Firmen zwingt, den Blick von den Bildschirmen abzuwenden und auf die strukturelle Integrität ihrer Unternehmung zu richten.
Die Schweizer Wirtschaft darf nicht zulassen, dass ihre Innovationskraft zum bloßen Spielball internationaler Kapitalflüsse wird, die nur die Quartalszahlen, aber niemals das Handwerk kennen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Besonnenheit eines Investors, der den Wert eines guten Fundaments zu schätzen weiß, ausreicht, um die kommenden Stürme zu überstehen. Wer das Handwerk vergisst, wird im digitalen Zeitalter nicht zum Pionier, sondern zum Statisten seines eigenen Untergangs.





