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Wirtschaft

Der letzte Akt des Agrar-Dirigismus: Warum der Bundesrat den Bauern nun doch die Zügel lockert

Der Bundesrat proklamiert für die Agrarpolitik ab 2030 eine Ära der unternehmerischen Freiheit, doch dahinter verbirgt sich das Eingeständnis des Scheiterns einer jahrzehntelangen Subventionslogik. Es ist der verzweifelte Versuch, ein verstaubtes System in eine globalisierte Marktordnung zu zwingen, ohne den heimischen Boden unter den Füssen zu verlieren.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·27. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Der letzte Akt des Agrar-Dirigismus: Warum der Bundesrat den Bauern nun doch die Zügel lockert

Ein moderner Traktor bei der Feldarbeit vor der Kulisse traditioneller Bauernhäuser in einer grünen Schweizer Hügellandschaft bei Sonnenaufgang.

Bild: Pexels / Sergio Zhukov

Das Ende der protektionistischen Träumerei

Man muss das Szenario wie eine Schachpartie betrachten, in der die Eröffnung längst verloren ist. Jahrzehntelang hat sich die Schweizer Landwirtschaft hinter Zöllen und Direktzahlungen verschanzt, wohlwissend, dass jede Öffnung einem Erdbeben gleicht. Wenn Bundesrat Guy Parmelin nun die Liberalisierung bis 2030 ausruft, dann tut er dies nicht aus ideologischem Freigeist, sondern aus purer Notwendigkeit. Die Effizienz, die etwa bei einem Unternehmer wie Daniel Salzmann, dem Geschäftsführer von Emmi, längst zum Überlebensinstinkt gehört, muss nun endlich auch auf den Äckern Einzug halten.

Die Schweiz kann sich nicht länger leisten, ihre Agrarpolitik als ein museales Projekt der Selbstversorgung zu betrachten, während der Rest der Welt in hochoptimierten Wertschöpfungsketten denkt.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Zwischen Subventionsabhängigkeit und Innovation

Es ist amüsant zu beobachten, wie Politiker wie Nationalrat Albert Rösti zwar gerne über Eigenverantwortung referieren, aber bei jeder Kürzung von Agrargeldern in eine Schockstarre verfallen. Die Ambition des Bundesrates, die Landwirtschaft agiler zu machen, prallt hart auf die Realität einer Branche, die an staatliche Zuwendungen so gewöhnt ist wie ein Investor an tiefe Zinsen. Echte Innovation, wie sie etwa das Start-up Vatorex mit seinen technologischen Lösungen für die Imkerei vorlebt, benötigt keine Subventionen, sondern einen Markt, der echte Qualität entlohnt. Wenn der Staat den Landwirten Freiheit verspricht, dann muss er im Gegenzug die Fesseln der Regulierungsdichte lösen, die laut einer Studie der ETH Zürich die Produktivität im Sektor in den letzten Jahren unnötig gebremst hat.

Das Geopolitische Kalkül der Ernährung

Die Schweiz ist ein Hochpreisinsel-Idyll, doch der Wind der Weltpolitik weht rauer. Wer heute noch glaubt, man könne die heimische Produktion von den globalen Handelsströmen abkoppeln, verkennt die Dynamik des 21. Jahrhunderts. Für Akteure wie die fenaco Genossenschaft bedeutet diese neue Ausrichtung eine Transformation vom staatlich alimentierten Partner zum marktwirtschaftlichen Konkurrenten. Die Prognose ist unerbittlich: Wer nicht lernt, in einer liberalisierten Agrarlandschaft zu bestehen, wird als historisches Relikt enden. Die politische Klasse muss endlich aufhören, den Bauern eine Welt vorzugaukeln, die es ausserhalb der Schweizer Grenze schon lange nicht mehr gibt.

Freiheit für die Landwirtschaft bedeutet letztlich das Ende der staatlichen Vollkaskoversicherung für ineffiziente Strukturen.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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