Wenn Landwirte wie Christian Bärtschi im Seeland zu schwerem Gerät greifen, um verdichtete Böden aufzureissen, offenbart dies den tiefgreifenden Bruch zwischen ökonomischem Ertragsdruck und biologischer Kapazität. Die Vorstellung, man könne die Erde wie eine defekte Maschine einfach reparieren, zeugt von einer technokratischen Arroganz, die in der Schweizer Agrarpolitik zunehmend Schule macht. Dabei ignorieren diese Akteure die physikalische Realität, dass Boden ein lebendiges Gefüge ist und kein industrielles Werkstück, das man nach Belieben umformen kann.
Ein Tanz auf dem Vulkan der Bodenfruchtbarkeit
Die Anwendung dieser brachialen Methoden erinnert an die grossen Ingenieursprojekte des letzten Jahrhunderts, bei denen man glaubte, die Natur mittels Dynamit und Stahl bezwingen zu können. Doch während der Gotthard-Basistunnel von der Expertise eines Renzo Simoni und der Kraft grosser Unternehmen profitiert, stösst der Landwirt auf dem Acker an die biologischen Belastungsgrenzen. Laut Berechnungen der ETH Zürich ist der Druck durch immer schwerere Erntemaschinen auf den Boden bereits heute jenseits der regenerativen Möglichkeiten der Mikroorganismen angelangt.
Wir versuchen die biologische Komplexität des Bodens mit der Brutalität einer Baustelle zu korrigieren, während wir den wahren Kollaps der Bodenstruktur durch unsere eigene Schwerfälligkeit erst herbeiführen.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die ökonomische Sackgasse der Intensivierung
Für Schweizer Unternehmer im Agrarsektor ist dies eine bittere Pille. Die Forderung nach maximalen Erträgen, vorangetrieben durch die Strukturvorgaben der Grossverteiler, zwingt die Landwirtschaft in ein Hamsterrad, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Es ist ein klassischer Fall von ökonomischem Tunnelblick, bei dem der kurzfristige Cashflow das langfristige Kapital, nämlich die Bodenfruchtbarkeit, systematisch vernichtet. Der Blick auf die Zahlen von Experten wie dem Agrarökonomen Urs Niggli verdeutlicht, dass die Effizienzsteigerung durch noch schwerere Technik ein abnehmender Grenznutzen ist.
Die Schweiz täte gut daran, sich in der internationalen Agrarpolitik nicht als Insel der Ahnungslosen zu gerieren. Wenn die globale Ernährungssicherheit wankt, wird der Seeland-Boden nicht durch noch mehr PS gerettet, sondern durch eine Abkehr von diesem industriellen Fetischismus. Der Wille, die Welt mit technischer Gewalt zu beherrschen, ist ein historisches Relikt, das spätestens bei der nächsten Dürreperiode zur existenziellen Bedrohung für unsere heimische Produktion wird.





