Das Handwerk der luftigen Versprechen
Man stelle sich einen Schreinermeister vor, der statt Zeit für die Maserung seines Eichenholzes aufzuwenden, in eine Fabrik rennt, um dort mit flinken Fingern und ohne rechten Plan irgendwelche Module zusammenzustecken, nur weil ein staatlicher Förderbeitrag winkt. Genau so wirkt die moderne Startup-Landschaft unter dem wachsamen, wenn auch oft kurzsichtigen Auge der Innosuisse. André Borschberg, jener Pilot, der mit dem Solar Impulse um die Welt flog, gründete mit H55 ein Unternehmen, das elektrische Antriebssysteme für die Luftfahrt entwickelt. Dass ein solches Vorhaben Unterstützung erfährt, ist prinzipiell begrüssenswert, doch die methodische Abhängigkeit von Fördergeldern erstickt oft jene langsame, aber stetige Reifung, die ein solides Schweizer Produkt auszeichnet.
Die Gefahr der künstlichen Reife
Die staatliche Förderung bei H55, die sich über diverse Phasen und Millionenbeträge erstreckt hat, wirkt wie eine Stützprothese für einen Läufer, der eigentlich noch lernen müsste, wie man den Boden unter den Füssen spürt. Wenn staatliche Gelder fliessen, verliert sich oft das Gespür für den Markt, weil der Fokus auf das nächste Meilenstein-Reporting für die Innosuisse verschiebt, statt auf die Qualität des Prototypen. Wer den Hobel nur führt, um ein Formular auszufüllen, vergisst den Stolz des Handwerkers, der erkennt, dass ein perfektes Möbelstück eben seine Zeit braucht, um sich im Holz zu setzen.
Wahre Innovation wächst nicht im Gewächshaus der staatlichen Subvention, sondern durch den rauen Wind des Marktes, der die Spreu vom Weizen trennt.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Ein Blick auf die Unternehmenshistorie zeigt, dass trotz der massiven finanziellen Spritzen die Kommerzialisierung für die Luftfahrt nach wie vor ein hartes Brot bleibt. Die laut Geschäftsberichten von H55 angepeilten Zertifizierungen für den kommerziellen Einsatz der Elektromotoren zeigen, dass selbst die besten Ingenieure die physikalischen Gesetze der Skalierung nicht durch Förderanträge austricksen können. Die Innosuisse mag stolz sein auf ihre Erfolgsbilanz bei diesem Pionierprojekt, doch bleibt die Frage, ob ohne dieses staatliche Rückenwind-Manöver nicht eine noch robustere Lösung entstanden wäre, die weniger auf politischem Kalkül als auf rein technischer Notwendigkeit fusst.
Rückbesinnung auf den Fels
Es braucht wieder den Mut zum Scheitern im Privaten, ohne dass sofort der staatliche Rettungsschirm aufgespannt wird, der den unternehmerischen Charakter erweicht. Ein Unternehmer wie Borschberg besitzt zweifellos die Erfahrung, doch der Systemfehler liegt in der Struktur der Förderung selbst, die Geschwindigkeit mit Fortschritt verwechselt. Echte Schweizer Wertschöpfung braucht keinen Turbo, sondern die Beständigkeit eines Findlings, der über Jahrzehnte im Gletscher geformt wurde. Die staatliche Startup-Förderung sollte sich wieder auf ihre Rolle als moderater Unterstützer besinnen, statt als Hauptdarsteller in einer Inszenierung aufzutreten, bei der das Ende noch völlig offen ist.





