Das Ausschluss-Diktat der Eliten
1,25 Millionen Menschen in der Schweiz stehen vor einer Mauer aus Behördendeutsch und komplizierten Firmensprech. Wer diese Texte nicht versteht, wird nicht informiert, sondern entmündigt. Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Defizit, das von Bundesräten wie Albert Rösti bis hin zu den Kommunikationsabteilungen der Grossbanken wie der UBS bewusst in Kauf genommen wird. Man versteckt sich hinter juristischen Schachtelsätzen, um Verantwortung zu delegieren und Transparenz zu vermeiden.
Wer Leichte Sprache als unnötige Spielerei abtut, hat den Kern der modernen Teilhabe nicht begriffen und betreibt aktiv Ausgrenzung.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Unternehmensstrategie als Exklusivclub
Für Schweizer Unternehmen ist dies eine gefährliche Ignoranz. Wer die Einfachheit meidet, verliert Kunden und Marktanteile. Ein Beispiel ist die Kommunikation von Versicherungsriesen wie der Zurich Insurance Group. Ihre Policen sind oft so geschrieben, dass nur noch spezialisierte Anwälte durchblicken. Das ist kein Schutz, das ist ein Geschäftsmodell, das auf der Überforderung der Kunden basiert. Es braucht keinen Expertenrat, um zu erkennen, dass Kundenbedürfnisse mit Klarheit bedient werden, nicht mit komplexem Jargon.
Ein ökonomischer Blindflug
Es ist eine ökonomische Bankrotterklärung, 1,25 Millionen potenzielle Konsumenten und Bürger durch unverständliche Sprache auszuschliessen. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen seit Jahren die Lücken in der Sprachkompetenz, doch die Wirtschaft reagiert kaum. Wenn CEOs wie jener der Swisscom stolz von Innovationskraft sprechen, warum scheitern sie dann an der elementarsten Form der Kommunikation? Das ist kein technologischer Fortschritt, das ist soziale Rückständigkeit.
Verständlichkeit ist die härteste Währung der digitalen Ära, doch die Schweiz hortet lieber unverständliche Wortschätze.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Die Macht der einfachen Worte
Die Zeit des ignoranten Schweigens ist vorbei. Unternehmen, die den Wert der Leichten Sprache ignorieren, werden zu Recht vom Markt abgestraft. Wer den Zugang zu Informationen demokratisieren will, muss die Hürden senken. Einfachheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die höchste Form der Souveränität. Es ist Zeit, dass die Chefetagen in Zürich und Bern endlich den Stift weglegen und anfangen, ihre Botschaften für alle lesbar zu machen.





