Die Klimamodelle der ETH Zürich sind keine vagen Prognosen für die nächste Generation. Sie sind die nackte Realität der kommenden Buchhaltungsperioden. Wenn der Starkregen in Zofingen oder im Tessin Strassen flutet und Produktionslinien lahmlegt, zahlt nicht die Natur die Zeche. Es ist der Unternehmer, der bei der Risikobewertung geschlafen hat. Die Versicherungsprämien steigen bereits, während die Firmen noch über Investitionen in den Klimaschutz debattieren.
Ein teures Erwachen
Unternehmer wie Christoph Gloor, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, sitzen auf Immobilienportfolios, die gegen diese hydrologische Gewalt kaum gefeit sind. Es reicht nicht, eine Solaranlage aufs Dach zu knallen und sich grün zu waschen. Das Fundament der Schweizer Wirtschaft bröckelt, weil die Resilienz der Infrastruktur bei vielen Firmen noch auf dem Stand der achtziger Jahre feststeckt. Warum wird das Kapital weiterhin in verwundbare Standorte gepumpt, statt in die klimatische Anpassung?
Die Ignoranz gegenüber klimatischen Extremen ist die teuerste Form der Unternehmensführung im 21. Jahrhundert.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Die Wetterdaten, wie sie etwa vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz kontinuierlich geliefert werden, sind keine bloßen Zahlenreihen. Sie sind ein Warnsignal für jede Bilanzsumme. Wenn Keller unter Wasser stehen und Logistikketten in der Region Olten oder im Rheintal aufgrund von Überflutungen zusammenbrechen, bricht auch die Liefertreue. Wer keine Notfallpläne für die zerstörerische Kraft von kurzen, intensiven Regenereignissen hat, ist schlichtweg fahrlässig.
Der Zwang zum Umbau
Es braucht mehr als nur gute Worte von Wirtschaftsverbänden wie Economiesuisse. Es braucht harte Schnitte in der Investitionsplanung. Unternehmen müssen ihre Standorte klimatisch stressehärtend umbauen. Jede versiegelte Fläche, die nicht entwässert werden kann, ist ein potenzielles finanzielles Risiko, das in keinem Risikobericht auftaucht, aber im Schadensfall die Liquidität frisst.
Infrastruktur muss heute nicht mehr nur effizient sein, sie muss gegen die klimatische Gewalt bestehen können, oder sie ist wertlos.
— Studie des Schweizer Zentrums für Klimaanpassung, 2023
Die Schweiz ist ein Hochlohnland. Wenn wir uns erlauben, die physikalischen Realitäten des Klimawandels zu ignorieren, werden wir genau das verlieren, was uns stark macht: unsere verlässliche Stabilität. Wer jetzt nicht investiert, zahlt später die Reparaturrechnung der Apokalypse. Die Zeit der Ausreden ist abgelaufen, die der Daten-Analyse hat längst begonnen.





