Der globale Handel gleicht heute weniger einem präzisen Uhrwerk als einem Haufen loser Zahnräder, die bei der geringsten Erschütterung in der Geopolitik ineinander verkeilen. Das Unternehmen ABB, einst das leuchtende Symbol Schweizer Ingenieurskunst, findet sich in diesem Sturm als unfreiwilliger Kompass wieder, dessen Nadel aufgrund der massiven Sanktionen und technologischen Handelsbarrieren zwischen den USA und China bedenklich zu zittern beginnt. Die Abhängigkeit von den chinesischen Produktionsstätten, auf die CEO Björn Rosengren noch vor kurzem setzte, entpuppt sich als die Achillesferse einer Strategie, die den Wert der lokalen Resilienz gegen den schnellen Gewinn an den globalen Märkten eingetauscht hat.
Ein Riss im Schweizer Stahl
Es ist ein Trugschluss, anzunehmen, dass man als neutraler Beobachter oder gar als Lieferant die diplomatische Architektur der Weltordnung ignorieren könne. Wenn US-Handelsministerin Gina Raimondo die Daumenschrauben für Hochtechnologie-Exporte anzieht, spürt dies nicht nur die Politik, sondern jeder einzelne Arbeitsplatz in den Schweizer Industriebetrieben, die in die globalen Lieferketten eingebunden sind. Die Agilität, von der man in den Chefetagen so gerne spricht, ist in Wahrheit oft nur der Vorbote einer Entwurzelung, bei der das handwerkliche Fundament zugunsten von Quartalszahlen geopfert wird.
Wer das Fundament seiner Fabrik auf den Treibsand globaler Abhängigkeiten baut, darf sich nicht wundern, wenn die Mauern beim ersten Sturm des Protektionismus Risse bekommen.
— Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Diese Entwicklung erinnert fatal an den Niedergang kleiner, spezialisierter Zunfthandwerke, die ihre Unabhängigkeit an den Meistbietenden verkauften, nur um festzustellen, dass sie als Zulieferer ihre eigene Existenzberechtigung verloren hatten. Die Stärke der Schweiz lag historisch in der Eigenständigkeit und der Qualität, die über den bloßen Preisdruck erhaben war. Heute jedoch biedert man sich an globalen Standards an, die bei der nächsten politischen Volte der US-Administration oder der chinesischen Zentralregierung obsolet sind.
Die Illusion der grenzenlosen Vernetzung
Die Unternehmenskultur, die auf ständiger Optimierung und digitalen Buzzwords basiert, ist nicht fähig, die wirklichen Gefahren einer protektionistischen Weltordnung zu parieren. Wenn Forschungschefs wie Bazmi Husain bei ABB versuchen, Innovationen in einer Welt der technologischen Abschottung voranzutreiben, stossen sie auf unsichtbare Mauern aus Regularien und Sicherheitsbedenken. Es ist an der Zeit, dass Schweizer Firmen die Flucht in die Qualität und die Unabhängigkeit antreten, anstatt sich als Spielball in einem geopolitischen Schachspiel missbrauchen zu lassen.
Die Schweizer Industrie muss ihre eigene Werkstatt wieder in den Mittelpunkt stellen, fernab der flüchtigen Versprechen einer grenzenlosen Globalisierung. Ein handwerklich sauber gearbeitetes Stück Mechanik benötigt keine Erlaubnis aus Washington, um zu funktionieren, solange man nicht versucht, die Welt mit billigen Kopien und fragilen Abhängigkeiten zu erobern. Wer heute noch glaubt, dass die digitale Vernetzung als Schutzschild gegen politische Sanktionen fungiert, hat den Geist der Schweizer Unabhängigkeit bereits an der Börse veräussert.





