Die Geschichte der Firma Zweifel, bekannt für ihre Chips, ist ein Lehrstück über das Schweizer Unternehmertum. Wenn die Patrons wie Christoph Zweifel den Stab an die nächste Generation übergeben, geht es nicht nur um den Sitz im Verwaltungsrat, sondern um das Überleben eines Mythos. Das Problem liegt im Schweizer Hang zum Konservatismus, bei dem Veränderung als Bedrohung der Ordnung wahrgenommen wird.
Die Gefahr des familiären Tunnelblicks
Ein Generationswechsel ist kein Betriebsausflug in die Berge, wo man sich beim Fondue versöhnt. Es ist eine knallharte Auslese. Wenn die Junioren versuchen, alles mit App-Steuerung und veganen Kartoffelscheiben aufzubrechen, dann fragt sich der aufmerksame Beobachter: Funktioniert das auch an einem Schweizer Dienstagmorgen? Wer die Effizienz eines Werks in Spreitenbach gegen die Träumereien eines Startup-Hipsters aus Zürich-West aufwiegt, weiss, wo der Hammer hängt.
Ein Familienunternehmen ist kein Kindergarten für den Nachwuchs, sondern ein Hochleistungsbetrieb, der ohne gnadenlose Disziplin am globalen Markt untergeht.
— Quelle: Beni Moser, Gründerzeit
Die Familie Zweifel hat es bisher verstanden, den Spagat zu meistern. Doch laut Wirtschaftsdaten des Credit Suisse Familienunternehmens-Index stehen viele Schweizer Firmen vor einer unsicheren Zukunft, weil der emotionale Ballast schwerer wiegt als die Bilanzsumme. Es ist die Angst, den Namen der Grosseltern zu beschmutzen, die Innovation im Keim erstickt.
Struktur schlägt sentimentale Werte
In Vietnam oder Indonesien bauen junge Unternehmer Fabriken in einer Geschwindigkeit, die in einem Schweizer Bauamt wohl einen Herzstillstand auslösen würde. Dort zählt das Ergebnis, hier zählt oft noch die Harmonie am Familientisch. Wenn man sieht, wie Konzerne wie Lindt & Sprüngli unter Dieter Weisskopf strukturiert wurden, erkennt man das Muster: Klare Trennung von Eigentum und operativem Geschäft.
Wer in der Schweiz die Emotionen über die Kennzahlen stellt, hat den Generationenwechsel bereits verloren, bevor der erste Vertrag unterschrieben ist.
— Quelle: Studie der Universität St. Gallen, 2023
Es braucht mehr als nur den richtigen Nachnamen, um eine Firma durch das nächste Jahrzehnt zu bringen. Man muss bereit sein, das Tafelsilber notfalls zu verkaufen, wenn die Rendite nicht stimmt. Das ist die kalte Wahrheit des Kapitalismus, auch wenn sie im gemütlichen Winterthur oder Solothurn niemand gerne hört.
Das Ende der Gemütlichkeit
Am Ende bleibt die Frage, ob die nächste Generation den Biss hat, den ein Gründer wie Hansheinrich Zweifel einst mitbrachte. Die Welt wartet nicht auf die Schweizer Präzision, wenn diese sich in internen Machtkämpfen verheddert. Wer nicht bereit ist, die alten Zöpfe radikal abzuschneiden, wird vom globalen Wettbewerb einfach überrollt.
Die Zeit der sanften Übergänge ist vorbei. Es ist Zeit für eine Ära der knallharten Professionalisierung, in der die Familie im Hintergrund bleibt und der Markt das Sagen hat. Sonst wird das Schweizer Familienunternehmen zum Museumsstück, über das man in hundert Jahren nur noch in Geschichtsbüchern liest.





