Die Machtpolitik kennt keine Sentimentalitäten, nur Interessen. Wenn Joe Biden den venezolanischen Staatschef Nicolas Maduro sanft zur Kasse bittet, dann schwingt dabei nicht die Diplomatie des guten Willens, sondern die brutale Notwendigkeit eines Imperiums mit, das seine Energieversorgung für den kommenden globalen Systemkonflikt absichern muss. Venezuela, ein Land mit den grössten Ölreserven der Welt, wird so zum reinen Pufferstaat degradiert, dessen nationale Souveränität vor dem Altar des US-Energiehungers geopfert wurde.
Ein Déjà-vu der Abhängigkeit
Historisch gesehen wiederholt sich hier das Muster der grossen Mächte, die sich Zugang zu strategischen Ressourcen verschaffen, indem sie instabile Regime wirtschaftlich an die Kandare nehmen. Für Schweizer Industriegrössen wie ABB oder Glencore, die in volatilen Märkten operieren, ist dies ein Weckruf. Wer glaubt, dass globale Handelsströme durch liberale Regeln geschützt sind, übersieht, dass das Recht des Stärkeren im 21. Jahrhundert lediglich in eine feinere juristische Sprache übersetzt wurde. Wenn die USA den Zugang zu Ölfeldern erzwingen, verengt sich der Spielraum für alle anderen Akteure signifikant.
Der Preis für die globale Sicherheit wird heute in Barrel und Sanktionslockerungen gezahlt, nicht mehr am Verhandlungstisch der UNO.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Schweizer Naivität im globalen Machtspiel
Der Bundesrat unter Ignazio Cassis und die hiesigen Wirtschaftsverbände wie Economiesuisse pflegen gerne die Erzählung der Schweiz als neutrale Vermittlerin. Doch im Schatten des US-geführten Deals mit dem regimekritischen Caracas wird deutlich, dass Neutralität in der Energiefrage eine Fiktion ist. Schweizer Unternehmer müssen begreifen, dass sie in einer Welt, die sich wieder in Blöcke aufteilt, keine exklusiven Sonderrechte geniessen. Wenn Washington den Markt für venezolanisches Öl neu ordnet, dann hat das Auswirkungen auf die globalen Preisniveaus, die jedes Schweizer KMU direkt bei der nächsten Stromrechnung oder beim Einkauf von Rohstoffen spüren wird.
Die Schweiz ist bei weitem kein isolierter Beobachter, sondern ein tief in das globale Finanzsystem integrierter Akteur, der die Konsequenzen der US-amerikanischen Expansionspolitik zu tragen hat. Ein Blick auf die jüngsten Handelsbilanzen zeigt, wie verwoben der hiesige Finanzplatz mit den Rohstoffströmen ist. Wer sich heute auf die diplomatische Zurückhaltung verlässt, der riskiert, morgen vor verschlossenen Türen zu stehen. Die Machtverhältnisse verschieben sich, und die Schweiz muss ihre Rolle als passiver Zuschauer schleunigst ablegen, wenn sie ihre wirtschaftliche Relevanz nicht an die neuen geopolitischen Blöcke verlieren will.





