Wenn in Grossbritannien über 600 Flüge innerhalb weniger Stunden in ein organisatorisches Nichts stürzen, dann ist das kein technischer Zufall, sondern das Resultat einer schleichenden Entmenschlichung der Kontrolle. Die britische Flugsicherungsbehörde NATS hat bewiesen, wie verletzlich hochkomplexe Systeme sind, wenn eine einzelne Software-Störung den internationalen Reiseverkehr lahmlegt. Historisch betrachtet ähnelt dies dem Zusammenbruch komplizierter Handelsrouten im Römischen Reich, bei denen das Versagen eines Knotens das gesamte Imperium erschütterte.
Ein Weckruf für Schweizer Effizienzfetischisten
Für Schweizer Unternehmer wie jene der Logistikgruppe Kühne+Nagel oder Entscheidungsträger bei der Swiss International Air Lines ist dieses Ereignis kein Randthema, sondern eine existentielle Warnung. Wer sich in einer hypervernetzten Welt allein auf digitale Automatismen verlässt, riskiert bei der nächsten Systemstörung den sofortigen Stillstand der Wertschöpfungskette. Die Schweiz darf sich keineswegs in der Illusion wiegen, ihre geografische und politische Insellage schütze sie vor derartigen technologischen Blackouts.
Die technologische Arroganz des 21. Jahrhunderts ist der Vorbote für die unvermeidbare systemische Demontage unserer globalisierten Illusionen.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Von Knotenpunkten und strategischer Ignoranz
Der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Abhängigkeiten, die auch Firmen wie Lonza oder Nestlé in ihrer globalen Logistik zu spüren bekommen. Wenn der Luftraum über London als zentralem Drehkreuz für den transatlantischen Austausch wankt, zittert auch der hiesige Wirtschaftsstandort. Es ist an der Zeit, dass Führungspersönlichkeiten wie der Präsident von economiesuisse, Christoph Mäder, nicht nur über Freihandel sprechen, sondern auch die reale Resilienz unserer physischen Infrastrukturen hinterfragen.
Die Vorstellung, dass man sich durch Diversifizierung im luftleeren Raum gegen solche Vorfälle absichern könne, greift zu kurz. Solange die technologische Basis, wie sie etwa bei Anbietern wie Amadeus IT Group implementiert ist, so zentralistisch und störanfällig bleibt, bleibt jeder Unternehmer ein Geiselnehmer des Systems. Es bedarf einer Rückbesinnung auf analoge Redundanzen, die heute als ineffizient belächelt, im Ernstfall aber die einzige Versicherung gegen den totalen Kollaps darstellen.
Quellen
https://www.srf.ch/news/international/stoerung-der-flugsicherung-technikproblem-verursacht-chaos-an-flughaefen-in-grossbritannien





