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Wirtschaft

Das deutsche Beben und die Schweizer Illusion der Inselbegabung

Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt ist kein lokales Betriebsunfall-Phänomen, sondern das erste seismische Echo einer drohenden europäischen Deindustrialisierung. Wer in der Schweiz glaubt, sich hinter dem Gotthard vor den ökonomischen Trümmern der deutschen Nachbarschaft verstecken zu können, hat die Lektion der Globalisierung nicht verstanden.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·24. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Das deutsche Beben und die Schweizer Illusion der Inselbegabung

Das Reichstagsgebäude mit wehender Deutschlandflagge unter blauem Himmel.

Bild: Pexels / Adriana Gonzaga

Die politische Statik in Deutschland gerät ins Wanken, während die Brandmauern der etablierten Parteien wie Kartenhäuser in einem Sturm aus Protest und Unzufriedenheit zusammenbrechen. Wenn der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt als rein ostdeutsches Randphänomen abgetan wird, unterschätzt man die psychologische Erosion des Wirtschaftsstandortes Deutschland grundlegend. Für Schweizer Konzernlenker wie Thomas Gottstein oder Investoren, die Milliarden in deutsche Produktionsanlagen gepumpt haben, ist das politische Klima längst zum handfesten Standortrisiko geworden.

Zerfall der alten Ordnung

Das politische Berlin, unter der Führung von Olaf Scholz, wirkt gelähmt in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft unter den Folgen der Energiepolitik und bürokratischer Fesseln ächzt. Investoren wie der Siemens-Chef Roland Busch müssen mitansehen, wie das politische Fundament erodiert, während populistische Strömungen die Unsicherheit als Treibstoff für ihre Machtansprüche nutzen. Es ist das bittere Erwachen eines Kontinents, der sich zu lange auf Wohlstand durch billiges Gas und russische Rohstoffe verlassen hat.

Deutschland ist nicht nur unser wichtigster Handelspartner, es ist der Spiegel unseres eigenen wirtschaftlichen Schicksals, den wir nun zerschlagen sehen.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Schweiz täuscht sich in ihrer vermeintlichen Souveränität, wenn sie glaubt, die geopolitische Instabilität Deutschlands sei nur ein unterhaltsames Spektakel für das Fernsehen. Schweizer KMU, die als Zulieferer für die deutsche Automobilindustrie fungieren, spüren die abnehmende Investitionsfreude bereits deutlich, wie aktuelle Zahlen des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse andeuten. Wenn die industrielle Basis des Nachbarn unter der Last von ideologischen Grabenkämpfen leidet, bricht der Motor des europäischen Wohlstands zusammen.

Der Preis der Isolation

Die Vorstellung einer autarken Schweizer Wirtschaft ist ein Märchen für jene, die den historischen Kontext des europäischen Marktes negieren. Politiker wie Gerhard Schröder haben das Fundament der deutsch-russischen Energieabhängigkeit gelegt, das nun in sich zusammenfällt und die gesamte Lieferkette von Zug bis nach Wolfsburg mit in den Abgrund zieht. Es ist an der Zeit, dass Schweizer Entscheidungsträger wie der SNB-Präsident Martin Schlegel die drohende Deflation durch eine schwächelnde europäische Binnennachfrage ernsthaft in ihre Szenarien einbeziehen.

Wir agieren in einem globalen Machtspiel, in dem die Schweiz als neutraler Beobachter lediglich zusieht, wie ihre eigenen Absatzmärkte politisch zerfressen werden.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Zeit des passiven Zuschauens ist vorbei, denn die politische Radikalisierung in Deutschland wird zwangsläufig zu protektionistischen Reflexen führen. Wenn die europäische Integration unter dem Druck populistischer Bewegungen zerbröckelt, verliert die Schweiz nicht nur einen Kunden, sondern ihren wichtigsten Anker in einer stürmischen Welt. Ein ignorantes Festhalten an bilateralen Sandkastenspielen wird in diesem Szenario keine Sicherheit garantieren, sondern lediglich den wirtschaftlichen Rückzug beschleunigen.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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