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Beton-Feudalismus: Warum der Parkplatz das Rückgrat der Schweizer Innovationskraft bremst

Die Schweizer Städte halten an einem stadtplanerischen Relikt fest, das den wirtschaftlichen Fortschritt im Keim erstickt. Wer den ruhenden Individualverkehr über die Mobilität der Zukunft stellt, zementiert die Unbeweglichkeit einer ganzen Nation.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·27. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Beton-Feudalismus: Warum der Parkplatz das Rückgrat der Schweizer Innovationskraft bremst

Nächtliche Luftaufnahme eines urbanen Strassenkreuzes mit leuchtenden Verkehrsströmen und angrenzenden Parkflächen.

Bild: Pixabay / csliaw

Der öffentliche Raum in Zürich oder Genf gleicht längst einem musealen Archiv für Verbrennungsmotoren. Während CEOs wie Thomas Jordan von der SNB mahnen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz an Agilität hängt, kleben unsere Stadtplaner an Parkflächen, als wären sie heilige Reliquien des Wirtschaftswunders. Laut Daten von SRF dominieren asphaltierte Standplätze für Blechkarossen das Stadtbild, während effiziente Verkehrsadern für den emissionsarmen Pendlerverkehr zur Mangelware verkommen.

Der Stillstand als Standortfaktor

Das Festhalten an Parkplätzen ist kein Akt der Kundenfreundlichkeit, sondern ein Akt der ökonomischen Ignoranz. Wenn ein Jungunternehmer in einem Zürcher Start-up-Hub wie dem Trust Square vergeblich auf eine effiziente Infrastruktur wartet, während der öffentliche Raum durch parkende SUV belegt ist, dann ist das ein Standortnachteil. Es ist ein bizarrer Anachronismus: Wir bezeichnen uns als Innovationsweltmeister, lassen aber zu, dass der wertvollste Boden in unseren Wirtschaftszentren als Abstellkammer für privaten Besitz fungiert.

Der Parkplatz im Stadtzentrum ist das ökonomische Äquivalent zur Fessel, die man dem Läufer anlegt, bevor man ihn zum Sprint schickt.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Man blicke auf Städte wie Kopenhagen, wo Investoren wie Lars Fruergaard Jørgensen von Novo Nordisk längst erkannt haben, dass die Talentakquise massgeblich von einer modernen, bewegungsfreundlichen Urbanität abhängt. Die Schweizer Politik hingegen verharrt in einem neofeudalen Verständnis von Strassenbesitz. Politiker wie Stadtrat Filippo Leutenegger erleben regelmässig den zähen Widerstand einer Lobby, die Mobilität mit dem Besitz eines Parkplatzes gleichsetzt. Dabei ist diese Fixierung auf den Ruhepuls des Autos ein direkter Angriff auf die Durchlaufgeschwindigkeit unserer Wirtschaft.

Mobilität ist Kapital

Unternehmen brauchen keine Parkplätze, sie brauchen eine exzellente Vernetzung. Wenn die Politik den Raum zur Verteilung freigibt, entscheidet sie über das Tempo der urbanen Transformation. Das aktuelle Ungleichgewicht zwischen Velowegen und Parkraum ist nicht bloss eine ästhetische Frage, es ist eine Bilanzstörung. Wer den urbanen Raum effizienter nutzt, schafft Raum für neues Kapital, für Cafés, für Begegnungen und für den technologischen Austausch, der in verschlossenen Autos niemals stattfinden wird.

Die Schweiz kann sich nicht erträumen, dass sie die Welt nicht braucht, und ebenso wenig kann sie sich eine Stadtplanung leisten, die die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts mit den Parkraumlösungen der 1970er Jahre beantwortet.

— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Schweiz muss sich entscheiden: Will sie ein Freilichtmuseum für die Automobilität bleiben oder will sie ein globaler Hub für agile Geister sein? Wer sich nicht bewegt, verliert den Anschluss an die globalen Wertschöpfungsketten. Der Parkplatz ist der letzte Anker der Trägheit.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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