Die Geschichte der grossen Mächte wiederholt sich in einer Weise, die den europäischen Optimismus als gefährliches Amateurtum entlarvt. Was einst der Kalte Krieg zwischen Washington und Moskau war, findet heute in den Vorstandsetagen der Zürcher Oerlikon-Fabriken seine digitale und industrielle Fortsetzung. Björn Rosengren, der scheidende CEO von ABB, navigiert durch ein Minenfeld, das weniger mit Technik als mit Geopolitik zu tun hat. Die US-Regierung unter Joe Biden sieht in der Abhängigkeit von chinesischer Elektronik und Steuerungssystemen ein Sicherheitsrisiko, das die Souveränität des Westens untergräbt.
Das Dilemma der industriellen Brücke
Unternehmen wie ABB befinden sich in einer Position, die an den Tanz auf dem Vulkan erinnert. Einerseits sind die Produktionskapazitäten in China für den dortigen Inlandsmarkt essenziell, andererseits zwingen Exportbeschränkungen für Hochtechnologie das Management zu einer Entflechtung, die ökonomisch schmerzhaft und politisch brandgefährlich ist. Wer glaubt, die Schweiz könne als neutrale Insel zwischen den Fronten agieren, hat die Lektionen der Geschichte nicht verstanden. Souveränität ohne militärische oder zumindest ökonomische Machtprojektion ist lediglich eine Einladung zur Erpressung durch Washington oder Peking.
Die Schweiz spielt in der globalen Arena nicht als Akteur mit, sondern hofft lediglich darauf, im Schatten der Riesen nicht zerquetscht zu werden.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Illusion der Unabhängigkeit
Die Schweizer Wirtschaft, vertreten durch Grössen wie ABB oder Schindler, muss begreifen, dass eine globale Lieferkette keine neutrale Zone mehr ist. Die Amerikaner haben mit dem Inflation Reduction Act, wie Daten des Peterson Institute for International Economics zeigen, eine protektionistische Mauer errichtet, die jeden ausländischen Zulieferer vor die Wahl stellt: Bekenntnis oder Ausschluss. Die Zeiten, in denen ein Konzern wie ABB als rein technischer Problemlöser galt, sind vorbei. Heute ist jedes einzelne Steuerungsmodul ein geopolitisches Statement.
Wer in einem Handelskrieg versucht, es allen recht zu machen, endet unweigerlich als Kollateralschaden der Grossmachtlogik.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Konsequenz der Machtlosigkeit
Es ist Zeit, die Maske der diplomatischen Zurückhaltung fallen zu lassen. Die strategische Positionierung der Schweiz erfordert mehr als nur gute Dienste und exzellente Uhren. Sie erfordert eine klare Definition der eigenen technologischen Souveränität. Während Firmen wie ABB versuchen, ihre Produktion durch lokale Ökosysteme in China und den USA zu splitten, bleibt der Kern der Schweizer Wertschöpfung verwundbar. Die Ära der naiven Globalisierung ist beendet; wer heute nicht lernt, die Sprache der Macht zu sprechen, wird morgen zum Zuschauer degradiert. Die Prognose ist düster: Entweder die Schweizer Industrie ordnet sich einem der beiden Machtblöcke unter, oder sie verliert ihre technologische Führungsposition in einer fragmentierten Welt.





