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Schweiz

Thomas Jordans letzte Bastion

Die Schweizerische Nationalbank unter Beschuss: Wie Klima-Aktivisten und Ökonomen wie Adriel Jost am Thron des Notenbankchefs rütteln.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·30. Juli 2026·5 Min Lesezeit
Thomas Jordans letzte Bastion

Das Hauptgebäude der SNB in Zürich bleibt das verschlossenste Machtzentrum der Schweiz.

Bild: Pexels / Gosia K

Thomas Jordan gilt als der Fels in der Brandung der internationalen Geldpolitik. Doch die Fassade der Unnahbarkeit bröckelt. Seit Jahren wehrt sich der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gegen Bestrebungen, die Klimapolitik in das Mandat der Bank aufzunehmen. Für Jordan ist die SNB kein Instrument der Weltrettung, sondern eine Hüterin der Preisstabilität. Doch der Druck von aussen wird immer professioneller und gefährlicher für seine Autonomie.

Der Masterplan der Kritiker

Adriel Jost, ein ehemaliger SNB-Ökonom und nun scharfer Kritiker der aktuellen Geldpolitik, wirft Jordan vor, die SNB in eine Sackgasse geführt zu haben. Es geht nicht nur um das Klima, sondern um die schiere Grösse der Bilanz, die mittlerweile über 800 Milliarden Franken umfasst. Jost und andere Ökonomen wie Yvan Lengwiler fordern eine stärkere demokratische Kontrolle und eine Diversifizierung der Anlagen. Sie sehen in der SNB ein Machtzentrum, das sich jeder Rechenschaft entzieht.

Parallel dazu hat die Klima-Allianz Schweiz den Hebel bei den Investitionen angesetzt. Die SNB hält Milliarden in US-Aktien von Unternehmen wie ExxonMobil oder Chevron. Der Vorwurf: Die Nationalbank finanziere die Klimakrise mit Schweizer Volksvermögen. Jordan kontert kühl, dass eine gezielte Auswahl von Aktien die Unabhängigkeit der Geldpolitik gefährden würde, da sie politisch angreifbar werde.

Das Mandat der Nationalbank ist eng gefasst und das aus gutem Grund. Wir dürfen uns nicht zum Gehilfen politischer Ziele machen lassen. / > / > — Quelle: Thomas Jordan, Rede an der Generalversammlung der SNB

Martin Schlegels Erbe

Mit der Ernennung von Martin Schlegel als Nachfolger von Jordan wird sich zeigen, ob die SNB ihren Kurs beibehält. Schlegel gilt als Ziehsohn Jordans, doch er tritt in eine Welt ein, in der die grossen Notenbanken wie die EZB bereits begonnen haben, grüne Kriterien in ihre Strategien zu integrieren. Die Schweiz läuft Gefahr, zur geldpolitischen Insel zu werden, die starr an Dogmen festhält, während sich das globale Finanzsystem transformiert.

Die Auseinandersetzung ist längst kein akademischer Streit mehr. Es ist ein Kampf um die Definition von Macht im 21. Jahrhundert. Wer kontrolliert die Milliarden? Wer entscheidet, welche Industrien durch Kapitalströme gestützt werden? Thomas Jordan mag seine Bastion bis zum Ende halten, doch der Riss im Fundament ist unübersehbar. Die SNB wird sich öffnen müssen, ob sie will oder nicht.

Die Bilanz der Nationalbank ist kein privates Portfolio, sondern eine öffentliche Ressource mit entsprechender Verantwortung. / > / > — Quelle: Adriel Jost, Diskussionspanel in Zürich

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

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