Jeder Schweizer misst seine Uhr an den SBB. Pünktlichkeit gilt als sakrosankt. Doch hinter der Fassade der Präzision zeigen sich die ersten Risse eines Modells, das auf stetigem Wachstum basiert.
Wachstum am Limit
Die Kapazitäten der Gleisnetze sind am Anschlag. Jedes zusätzliche Prozent an Passagieren wird zum Störfaktor im komplexen Getriebe. Laut SBB-Jahresbericht steigen die Kosten für Instandhaltung schneller als die Einnahmen.
Die Infrastruktur ist ein lebendes System, das bei Überlastung zur Ineffizienz neigt. — Quelle: Verkehrsökonomisches Institut.
Die Digitalisierung der Schiene wird als Lösung präsentiert, doch Technik kann die physikalischen Grenzen des Schienennetzes nicht einfach wegzaubern. Wir bauen ein Netz, das für die Schweiz von 1990 geplant wurde, in einer Welt von 2024.
Zwischen Service Public und Gewinn
Die SBB müssen die Quadratur des Kreises schaffen: Gewinn erwirtschaften und gleichzeitig den günstigsten Takt der Welt bieten. Dieser Spagat führt dazu, dass Innovationen oft kurz vor der Einführung an Budgetkürzungen scheitern.
Pünktlichkeit ist teuer, aber Unpünktlichkeit ist der politische Tod für die SBB. — Quelle: Analyse zur Verkehrspolitik.
Es ist an der Zeit, die SBB aus dem Korsett der ewigen Gewinnoptimierung zu lösen. Ein effizientes Bahnsystem ist eine Investition in die wirtschaftliche Produktivität. Die Schweiz darf nicht zulassen, dass ihre Lebensader durch kurzsichtige Sparmassnahmen ins Stocken gerät. Qualität hat ihren Preis, und die Schweizer Bürger haben ihn bisher stets bezahlt.





