Die Bilder aus Nepal sind apokalyptisch. Strassen weg, Brücken eingestürzt, die Infrastruktur buchstäblich weggespült. Was Helvetas als Katastrophe bezeichnet, die alles bisher Bekannte sprengt, ist für die Schweizer Wirtschaft mehr als ein fernes Ereignis. Es ist ein Stresstest für die globale Logistik, den viele Firmen mit Null Punkten bestehen werden.
Das Ende der Ignoranz
Unternehmer wie Thomas Steiner von Helvetas mahnen zur Vorsicht, doch in den Chefetagen zwischen Zürich und Zug herrscht oft noch das Prinzip Hoffnung. Man verlässt sich auf Just-in-Time-Lieferungen aus entlegenen Regionen, ohne die geopolitische oder klimatische Volatilität einzupreisen. Wenn die Erde bebt oder das Wasser steigt, schauen die Controller auf die leeren Lagerbestände und wundern sich über die Quartalszahlen.
Die globale Vernetzung ist keine Versicherung gegen das Chaos, sie ist die Eintrittskarte in die Unberechenbarkeit.
— Quelle: Célina Bargémy, Gründerzeit
Warum der Standort Schweiz nicht autark ist
Die Abhängigkeit von nepalesischen Verkehrswegen betrifft Schweizer Nischenakteure stärker als man denkt. Es sind nicht nur die grossen Konzerne, sondern die spezialisierten Zulieferer, die nun plötzlich vor der Wand stehen. Wer sich auf stabile Handelsrouten verlässt, ignoriert den Klimawandel als harten Wirtschaftsfaktor.
Infrastruktur in Schwellenländern ist kein statisches Gut, sondern ein fragiler Vermögenswert, der bei Naturereignissen sofort zum Totalausfall wird.
— Quelle: Expertenbericht Helvetas, 2024
Wenn Firmen wie die lokale Logistikgruppe KLOGG oder spezialisierte Importeure nun über Lieferverzögerungen klagen, ist das kein Pech, sondern mangelnde Risikodiversifizierung. Die Realität hat die Strategiepapiere längst überholt. Es reicht nicht mehr aus, über Nachhaltigkeit in Hochglanzbroschüren zu schreiben, während die physische Verbindung zur Welt am seidenen Faden hängt.





