Gründerzeit – Journalismus für Unternehmer
Wirtschaft

Das vertrocknete Selbstbild: Wenn Schweizer Kühe kanadische Prärieluft atmen

Die Schweizer Landwirtschaft ist im Begriff, den Boden unter den Füssen zu verlieren, während sie verzweifelt nach Heu über den Atlantik greift. Dieser Import-Wahnsinn ist kein logistisches Detail, sondern das schmerzhafte Eingeständnis einer globalen Abhängigkeit, die man hierzulande so gerne hinter Alpenpanoramen versteckt.

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein·31. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Das vertrocknete Selbstbild: Wenn Schweizer Kühe kanadische Prärieluft atmen

Detailaufnahme von trockenem, goldenem Gras in einem landwirtschaftlichen Feld.

Bild: Pexels / https://kaboompics.com/

Es ist ein köstliches Paradoxon der Macht: Während sich die helvetische Politik gerne in der Rhetorik der autarken Insel übt, sind Schweizer Landwirte bei der ersten Hitzewelle gezwungen, Futtermittel aus Kanada zu importieren. Die Trockenheit entlarvt eine Illusion. Es ist das Ende des Traums vom autarken Bergidyll. Wenn Landwirte wie jene der Genossenschaft Olma oder Grossbetriebe aus dem Mittelland den Blick nach Übersee richten müssen, dann zeigt das die bittere Wahrheit: Die Schweizer Versorgungssicherheit ist ein hochglanzpoliertes Märchen.

Ein Logistik-Gau mit System

Das Einfliegen oder Verschiffen von Heu ist nicht nur ökologisch absurd, es ist wirtschaftlich der Offenbarungseid. Unternehmer, die wie etwa Markus Ritter vom Schweizer Bauernverband stetig den Schutz der heimischen Produktion predigen, müssen sich fragen lassen, wo die strategische Reserve blieb. Wenn das Futter für das Vieh – das Fundament unserer stolzen Käseindustrie – plötzlich per Frachter aus Nordamerika kommt, dann ist das keine Landwirtschaft mehr, sondern ein globalisiertes Spekulationsgeschäft am Futtertrog.

Die Schweizer Landwirtschaft hat sich in ein Korsett aus Protektionismus und globaler Abhängigkeit geschnürt, das beim kleinsten Klimawandel platzt.

— Quelle: Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Arroganz der Isolationspolitik

Man muss den Blick auf Akteure wie Bundesrat Guy Parmelin richten, der in solchen Momenten zwar von Souveränität spricht, aber faktisch die Unfähigkeit moderner Agrarsysteme verwaltet, auf extreme Wetterereignisse zu reagieren. Die Fixierung auf kleinräumige Produktion, geschützt durch massive Zölle, verhindert die notwendige industrielle Innovation. Wer glaubt, die Schweiz könne die globalen Warenströme einfach ignorieren, der unterschätzt die schiere Macht der Natur, die sich nicht an Handelsabkommen hält.

Wir importieren heute Heu aus Kanada, weil wir gestern den Mut zur notwendigen agrarkulturellen Transformation verloren haben.

— Quelle: Ruben J. Goldstein, Gründerzeit

Die Konsequenz für hiesige Gründer und Unternehmer ist eindeutig: Wer bei der Ressourcenplanung nur auf lokale Stabilität setzt, wird bei der ersten globalen Störung vom Markt gefegt. Die Schweiz ist kein isolierter Garten Eden. Sie ist ein hochgradig verwobener Knotenpunkt im globalen Machtspiel, in dem das Heu aus Kanada nur das erste Symptom einer tiefergehenden Verwundbarkeit ist. Wer dies ignoriert, spielt mit dem Feuer, oder in diesem Fall: mit dem trockenen Stroh, das bald die ganze Scheune abbrennen könnte.

Quellen

https://www.srf.ch/news/schweiz/extreme-sommertrockenheit-schweizer-landwirte-importieren-heu-aus-kanada

Ruben J. Goldstein
Ruben J. Goldstein

Polit-Stratege und Kolumnist. Analytisch, messerscharf, politisch provokant — ohne Blatt vor dem Mund.

Mehr von diesem Autor →

Mehr zum Thema