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Der Staats-Turbo im Silicon Valley der Schweiz

Der staatliche Innovations-Turbo Innosuisse ist oft die letzte Rettung für radikale Ideen. Doch wer glaubt, Subventionen seien ein Ruhekissen für bequeme Gründer, hat den Biss von Visionären wie Manuel Aschwanden noch nicht erlebt.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·24. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Der Staats-Turbo im Silicon Valley der Schweiz

Hochpräzise Fertigungsmaschinen im Einsatz in einer Schweizer Industriehalle.

Bild: Pixabay / ClickerHappy

Innovation ist in der Schweiz kein Zufall, sondern ein System. Wenn eine staatliche Förderstelle wie Innosuisse Geld in die Hand nimmt, geht es längst nicht mehr um Almosen für Bastler. Es geht um die knallharte Skalierung von Hochtechnologie. Ein Paradebeispiel ist Optotune aus Dietikon. Gründer Manuel Aschwanden hat das Unmögliche gewagt: Er wollte das menschliche Auge kopieren. Mit flüssigen Linsen, die sich dank elektrischer Spannung verformen lassen. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber dank gezielter staatlicher Projektförderung zum Industriestandard für Laser und Medizintechnik geworden.

Der Fluch der bequemen Förderung

Kritiker rufen oft nach dem freien Markt, wenn sie von staatlichen Geldern hören. Doch wer in der Schweiz Hardware entwickeln will, stösst bei klassischen Banken schnell an die Grenzen der Risikobereitschaft. Laut Zahlen von Swiss Startup Radar investieren Schweizer Wagniskapitalgeber oft lieber in Software-Skalierer als in komplexe physikalische Hardware-Innovationen. Hier füllt Innosuisse die Lücke. Das Geld fliesst nicht in Gehälter für Kaffeetrinker, sondern in den Wissenstransfer zwischen der ETH Zürich und dem Betrieb in Dietikon.

Ohne den staatlichen Hebel wäre der Prototyp in der Schublade verstaubt, weil das finanzielle Risiko für private Investoren in der frühen Phase zu gross war.

— Quelle: Manuel Aschwanden, CEO Optotune

Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung ist der eigentliche Motor der Schweizer Innovationskraft. Innosuisse dient dabei als Katalysator, der sicherstellt, dass nicht nur geforscht, sondern auch verkauft wird. Die Erfolgsbilanz von Optotune zeigt, dass eine Technologie erst dann ihren Wert beweist, wenn sie in globalen Lieferketten fest verankert ist. Aschwanden hat dabei bewiesen, dass ein Gründer auch nach einer Förderung den unternehmerischen Hunger behalten kann.

Warum Risiko Pflicht bleibt

Innovation lässt sich nicht planen, aber sie lässt sich fördern. Es ist ein gefährliches Trugbild zu glauben, der Staat könne Innovation erzwingen. Das Geld aus Bern ist lediglich der Treibstoff, der die erste Stufe einer Rakete zündet. Der Flugverlauf muss von den Unternehmern selbst gesteuert werden. Wer sich auf dem Erfolg einer ersten Förderrunde ausruht, wird gnadenlos vom Wettbewerb aus Asien oder den USA überholt.

Wir bauen hier keine Produkte für den Schweizer Markt, sondern für eine globalisierte Welt, in der Geschwindigkeit über das Überleben entscheidet.

— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit

Der technologische Vorsprung der Schweiz basiert auf einer exzellenten Ausbildung und einer stabilen Infrastruktur. Doch die wirkliche Magie passiert in den Labors von Firmen wie Optotune. Die Kombination aus hochspezialisiertem Ingenieurswesen und einer Förderung, die auf Marktfähigkeit pocht, ist das Rezept für den Erfolg. Innosuisse muss deshalb noch mutiger werden und in noch riskantere Hardware-Projekte investieren, selbst wenn ein Scheitern droht. Denn ein Scheitern ist immer noch produktiver als eine Investition, die niemals die Grenzen des Bestehenden hinterfragt.

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

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