Der globale Frachtverkehr ist das Rückgrat unserer Zivilisation, doch er steckte bis vor kurzem in der analogen Steinzeit fest. Die Zürcher Nexxiot AG hat mit ihren IoT-Sensoren eine Technologie entwickelt, die Container in intelligente, sprechende Einheiten verwandelt. CEO Stefan Kalmund verspricht Transparenz und Effizienz in einer Branche, die bisher auf Excel-Listen und Bauchgefühl basierte. Doch während Nexxiot in den USA und in Asien den Markt aufrollt, stösst das Unternehmen in der Heimat auf regulatorische Barrieren, die eher an das letzte Jahrhundert erinnern als an eine digitale Zukunft.
Wenn der Datenschutz zur Innovationsbremse wird
Das Kernproblem ist das revidierte Datenschutzgesetz, welches die Interpretation von sensiblen Daten oft so eng auslegt, dass jede grenzüberschreitende Datenübermittlung zum juristischen Spiessrutenlauf wird. Nexxiot benötigt für die Echtzeit-Überwachung von Lieferketten einen konstanten Fluss an Positions- und Zustandsdaten über nationale Grenzen hinweg. Laut einer Studie von ICTswitzerland führt diese regulatorische Unsicherheit dazu, dass Schweizer Unternehmen signifikant mehr für Compliance aufwenden als ihre Konkurrenten im EU-Raum. Die Schweiz riskiert hier, ihren Status als Innovationsstandort an die Wand zu fahren.
Wir bauen die Infrastruktur für das Internet der Dinge, doch die Gesetzgebung agiert, als müssten wir jede einzelne Datenpakete-Übertragung wie eine Postkarte von Hand frankieren.
— Quelle: Stefan Kalmund, CEO Nexxiot AG
Die Gefahr der regulatorischen Isolierung
Die Anwendung der neuen Bestimmungen durch den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sorgt für eine Atmosphäre der Vorsicht, die kreative Ingenieure abschreckt. Investoren wie Daniel Gutenberg fordern schon lange, dass Schweizer Behörden die Brille der technologischen Souveränität aufsetzen. Statt Startups durch überbordende Auflagen bei der Datenverarbeitung in den Rückzug zu zwingen, sollte der Fokus auf dem massiven Wettbewerbsvorteil liegen, den präzise Datenströme bieten. Wenn das Gesetz die Nutzung von aggregierten Daten in der Logistik verunmöglicht, verliert Nexxiot nicht nur Zeit, sondern Marktanteile an die Konkurrenz in den USA oder China.
Die Schweiz muss entscheiden, ob sie eine Insel der Daten-Seligkeit oder ein Hub für industrielle Hochtechnologie sein will. Beides gleichzeitig funktioniert in einem vernetzten Welthandel nicht.
— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit
Die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell von Nexxiot sind konkret messbar, da die Kosten für die rechtliche Absicherung der Datenverarbeitung laut Branchenberichten mittlerweile zehn Prozent der operativen Ausgaben in diesem Bereich übersteigen. Dies ist verlorenes Geld, das eigentlich in die Entwicklung der nächsten Generation von Edge-Computing-Hardware fliessen sollte. Die Schweiz muss begreifen, dass Daten keine Bedrohung sind, sondern der Treibstoff der modernen Logistikwirtschaft. Wer diesen Treibstoff mit regulatorischen Filtern versieht, sorgt schlicht dafür, dass der Motor der Schweizer Startup-Szene stottert.





