Es ist ein interessantes Phänomen. In Vietnam habe ich einmal beobachtet, wie ein Händler auf dem Markt seine Ware mit einem Lächeln anbot, das gleichzeitig alles und nichts versprach. Die Schweiz hingegen hat sich lange Zeit als der ruhige, solide Banker unter den Innovationsstandorten gefühlt. Doch dann kommt Klaus Hommels daher. Sein Fonds Lakestar hat begriffen, dass man hierzulande zwar hervorragende Ingenieure aus der ETH Zürich oder der EPFL Lausanne hat, diese aber meistens zu bescheiden sind, um die Welt zu erobern. Funktioniert das auch an einem Schweizer Dienstagmorgen? Nun, wenn Hommels bei einem Kaffee mit einem Gründer wie denen von Beekeeper oder GetYourGuide sitzt, geht es nicht mehr um das gemütliche Wachstum, sondern um den grossen Knall.
Die Kultur der Skalierung
Früher war der Erfolg in der Schweizer Wirtschaft definiert durch eine ordentliche Dividende und eine gesunde Bilanz. Hommels jedoch predigt die Religion des Skalierens. Er will nicht, dass ein Unternehmen in zehn Jahren profitabel ist, er will, dass es in zwei Jahren den Markt in den USA und Europa dominiert. Das ist für einen bodenständigen Schweizer Unternehmer, der vielleicht gerne ein schönes KMU in Zug aufgebaut hätte, oft ein Kulturschock. Doch die Zahlen von Lakestar, das laut eigenen Angaben bereits in über 100 Unternehmen investiert hat, zeigen, dass diese aggressiven Ansätze in einer digitalen Welt notwendig sind.
Wir investieren nicht in Konzepte, die nur in Zürich funktionieren, sondern in solche, die den globalen Markt aus der Schweiz heraus dominieren.
— Quelle: Klaus Hommels, Lakestar CEO
Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Während in Schweizer Kantonsstuben über Regulierung und Subventionen debattiert wird, investiert Lakestar in Firmen, die das Risiko suchen. Das ist kein Zufall. Hommels hat verstanden, dass die Schweiz zwar das Kapital hat, aber oft den Mut vermissen lässt, wirklich grosse Summen in einer frühen Phase auf eine Karte zu setzen. Er bringt den Silicon-Valley-Stil nach Europa und zwingt die lokale Szene dazu, über den Tellerrand der Alpen hinauszuschauen.
Das Risiko der Entfremdung
Natürlich fragt man sich, was von der Schweizer Identität übrig bleibt, wenn nur noch der Shareholder Value zählt. In Singapur werden Hochhäuser aus dem Boden gestampft, ohne dass jemand nach der Ästhetik fragt, solange die Effizienz stimmt. Wenn Lakestar Start-ups wie etwa das E-Mobility-Unternehmen Dyson-Konkurrenten oder Fintech-Hoffnungen wie das ehemalige Knip unter Druck setzt, erinnert das manchmal an den überhasteten Ausbau der Infrastruktur in Schwellenländern. Es fehlt oft die schweizerische Präzision, die das Ganze nachhaltig macht. Schnelligkeit ist gut, aber Gründlichkeit ist bei uns eigentlich die Währung.
Der Schweizer Unternehmergeist darf nicht unter dem Druck des schnellen Geldes seine eigene Substanz verlieren.
— Ruben J. Goldstein, Gründerzeit
Die Entwicklung bleibt jedoch unumkehrbar. Unternehmen, die sich nicht auf das globale Spiel einlassen, gehen unter oder werden von den Riesen aus Übersee geschluckt. Ein Investor wie Hommels ist daher kein Eindringling, sondern ein notwendiges Übel, das den Standort wachrüttelt. Es bleibt die Hoffnung, dass die Gründer ihre schweizerische Herkunft als Qualitätsmerkmal behalten, auch wenn sie nun nach den Regeln von Lakestar spielen müssen.





