Der Kater nach der grossen Tech-Party
Überall auf der Welt suchen Firmen ihr Glück im Algorithmus-Dschungel. In San Francisco wird mit Milliarden geworfen, als gäbe es kein Morgen. Doch während dort die nächste KI-Blase aufgeblasen wird, steht DePoly in der Schweiz vor einem echten Problem. Die Gründer Samantha Anderson, Christopher Ireland und Bardia Mansouri haben sich nicht mit virtuellen Chatbots begnügt. Sie haben ein chemisches Recyclingverfahren entwickelt, das PET-Plastik in seine Einzelteile zerlegt. Das Ganze funktioniert dank massgeschneiderter KI-Modelle, die den Prozess in Echtzeit optimieren. So wird aus einer alten Flasche ein hochwertiger Rohstoff, statt wie üblich nur minderwertiger Abfall.
Wahre Disruption ist kein Algorithmus, der Bilder generiert, sondern eine Maschine, die unsere Müllberge effizient in Wertschöpfung verwandelt.
— Quelle: Beni Moser, Gründerzeit
Schweizer Präzision schlägt Silicon-Valley-Marketing
In Singapur haben solche Anlagen oft Probleme mit der lokalen Gesetzgebung und den variablen Abfallqualitäten, wie eine Studie der Nanyang Technological University zeigt. Die Schweiz hingegen ist das Labor für solche Komplexitäten. Ein Schweizer Dienstag an der Kaffeemaschine im Büro ist geprägt von der Frage nach der Effizienz. Funktioniert das auch, wenn es regnet, der Lieferant spät dran ist und der Strompreis schwankt? DePoly hat genau diesen Test in einer Pilotanlage in Martigny bestanden. Investoren wie das Familienunternehmen ACE Ventures haben diesen Wert erkannt. Es ist die Kombination aus chemischem Fachwissen von Anderson und der datengetriebenen Kontrolle, die den Unterschied macht.
Wer nicht aufräumt, verliert
Die Welt da draussen wartet nicht auf Schweizer Bescheidenheit. Während sich hierzulande noch über die Skalierbarkeit gestritten wird, baut die Konkurrenz in den USA oder China bereits die grossen Fabriken. Dass DePoly nun Partnerschaften mit globalen Playern wie Beiersdorf eingeht, wie es das Unternehmen Ende 2023 bekannt gab, zeigt die Richtung. Die Schweizer Exportwirtschaft braucht dringend solche Unternehmen, die mehr als nur Software-Lizenzen verkaufen. Wer nur auf KI für die Finanzindustrie setzt, vergisst den realen Wert der materiellen Welt. Es ist an der Zeit, den Fokus weg von den virtuellen Blasen und hin zur handfesten, KI-gestützten Produktion zu lenken.
Wir brauchen keine weiteren App-Entwickler, wir brauchen Ingenieure, die mit Hilfe von Daten die Welt aufräumen.
— Quelle: Beni Moser, Gründerzeit





