Das Ende der mechanischen Geduld
Früher wurde in den Zürcher Bankstuben noch mit der Sorgfalt eines Uhrmachers an Kapitalstrukturen gefeilt. Heute regiert die Attitüde des Silicon Valley, bei der jedes Start-up binnen weniger Monate zum globalen Imperator aufsteigen soll. Ein Mann wie Daniel Gutenberg, der als einer der profiliertesten Business Angels der Schweiz gilt, personifiziert diesen Wandel. Er investiert nicht mehr in Unternehmen, sondern in skalierbare Luftschlösser, die unter dem Druck der ständigen Wachstumsbeschleunigung oft den Boden unter den Füssen verlieren.
Der Fluch der schnellen Rendite
Der technokratische Optimierungswahn hat die hiesige Investorenlandschaft nachhaltig kontaminiert. Man betrachtet die Gründung eines Unternehmens mittlerweile wie den Bau eines Fertighauses aus billigem Fichtenholz statt wie das Errichten eines Massivbaus aus Granit, der Jahrhunderte überdauern soll. Diese kurzsichtige Mentalität zwingt Gründer, wie man es bei Firmen wie dem einst hochgehandelten, aber instabilen GetYourGuide oder diversen Fintech-Eintagsfliegen beobachten konnte, zu einem ungesunden Fokus auf Exit-Strategien statt auf substanzielle Wertschöpfung.
Wahre unternehmerische Grösse ist kein Sprint gegen die Zeit, sondern das geduldige Schleifen eines Rohdiamanten bis zur Brillanz.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Ein Erbe, das im Algorithmus verblasst
Wenn Investoren wie jene hinter dem Portfolio von Gutenberg nur noch auf Datenpunkte statt auf die handwerkliche Qualität eines Produktes schauen, verliert die Schweiz ihre Identität. Wir exportieren keine Qualität mehr, wir exportieren lediglich Applikationen, die sich in der nächsten Welle der Bedeutungslosigkeit auflösen. Ein nachhaltiges Ökosystem braucht Kapital, das die Ruhe eines Bergbauern hat und nicht die Nervosität eines Zockers an der Bahnhofstrasse. Es ist Zeit, dass wir uns besinnen und die Werkzeuge wieder in die Hand nehmen, statt uns in digitalen Wolken zu verlieren, die beim ersten Windstoss in sich zusammenfallen.





