Das Finanzdienstleistungsgesetz, kurz FIDLEG, sollte einst für Ordnung sorgen, doch in den prunkvollen Räumlichkeiten am Berner Münsterplatz gleicht es heute einem schleichenden Verfall der unternehmerischen Freiheit. CEO Beat von Graffenried muss seine talentierten Berater immer häufiger von der eigentlichen Analyse der Märkte abziehen, um stattdessen seitenlange Formulare für eine EU-konforme Transparenz auszufüllen, die für einen langjährigen Schweizer Stammkunden ohnehin so überflüssig ist wie ein Regenschirm in der Wüste. Wie ein Uhrmacher, der gezwungen wird, die Qualität seines Uhrwerks nicht nach dessen Ganggenauigkeit, sondern nach der Dicke des Benutzerhandbuchs zu zertifizieren, verliert das Haus den Fokus auf das Wesentliche.
Ein unnatürlicher Eingriff in gewachsene Strukturen
Diese Form der Regulierung erinnert an den Versuch, den perfekten Käse durch ein technokratisches EU-Dekret auf seine Blasenanzahl zu normieren, anstatt auf den Geschmack zu vertrauen. Die Dokumentationspflichten, die nach Angaben der Schweizerischen Bankiervereinigung 2023 bereits massiv gestiegen sind, erzwingen eine Institutionalisierung, die das persönliche Vertrauensverhältnis, das Fundament der Schweizer Privatbankiers, systematisch zersetzt. Wenn jede Beratung durch den Filter einer standardisierten Risikomatrix läuft, stirbt die Intuition, die einen erfahrenen Vermögensverwalter auszeichnet.
Die regulatorische Last der Gegenwart ist das Grabmal der handwerklichen Freiheit des Unternehmers, der nicht mehr verwaltet, sondern nur noch protokolliert.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Die Kosten für diese Compliance-Maschinerie, die bei mittelständischen Häusern laut einer Studie der Universität St. Gallen bis zu 15 Prozent der operativen Ausgaben verschlingen können, treffen genau jene Akteure, die keinen globalen Apparat im Rücken haben. Beat von Graffenried kämpft gegen eine Bürokratie-Hydra, bei der für jeden gelösten Compliance-Punkt zwei neue in den Statuten des Eidgenössischen Finanzdepartements nachwachsen. Es ist eine Fehlleistung der Politik, den Schutz des Anlegers mit dem Schutz vor dem Anleger zu verwechseln.
Das Ende der diskreten Meisterschaft
Die Welt der Finanzen braucht keine weiteren Algorithmen, die den gesunden Menschenverstand ersetzen, sondern Urteilskraft, die sich über Jahrzehnte in der Beobachtung von Märkten und menschlichen Charakteren formt. Das Festhalten an einer strengen, fast schon pedantischen Regulierungsvorgabe führt dazu, dass Innovationen im Finanzsektor ausbleiben, weil jeder neue Prozess zunächst drei Jahre lang durch die Mühlen der Rechtsabteilungen gedreht werden muss. Der Geist des Unternehmertums, wie er einst die industrielle Revolution in den Tälern des Jura prägte, lässt sich nicht in Paragrafen pressen.
Wir verwechseln den Prozess der Fehlervermeidung mit dem Ziel der Exzellenz, doch am Ende bleibt nur der Durchschnitt übrig.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Wenn das Schweizer Unternehmertum den Anschluss behalten will, muss der Mut zur Lücke zurückkehren, und zwar gegen den Widerstand der Aufsichtsbehörden, die jedes Risiko als Sünde betrachten. Es ist an der Zeit, das FIDLEG einer radikalen Vereinfachung zu unterziehen, um die Kapazitäten für das zurückzugewinnen, was Bern einst zur Finanzmetropole machte: den klaren Blick auf den Wert des Geldes und das Vertrauen in den Menschen gegenüber.





