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Der Taktgeber vom Paradeplatz: Wie die Swisscom Ventures das Schweizer Fundament aus Beton und Algorithmen giesst

Venture Capital wird in der Schweiz oft als glitzerndes digitales Märchen missverstanden, doch beim Blick auf die Aktivitäten von Swisscom Ventures offenbart sich ein weit profaneres, aber umso wirkmächtigeres Handwerk: Es ist das präzise Setzen von Pflöcken in den Boden einer Wirtschaft, die sich zwischen Tradition und Tech-Manie zu zerreiben droht.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach·21. September 2026·6 Min Lesezeit
Der Taktgeber vom Paradeplatz: Wie die Swisscom Ventures das Schweizer Fundament aus Beton und Algorithmen giesst

Das Dorf Lauterbrunnen liegt malerisch eingebettet zwischen den imposanten Gipfeln der Schweizer Alpen.

Bild: Pexels / Melike B

Die Architektur des digitalen Widerstands

Man stelle sich einen Uhrmacher vor, der versucht, die Zahnräder einer alten Standuhr mit dem flüchtigen Dampf einer Kaffeemaschine zu ölen. Genau dieses Bild drängt sich auf, wenn das Treiben von Swisscom Ventures, unter der strategischen Ägide von Alexander Schläpfer, analysiert wird. Während mancherorts im Silicon Valley blindes Geld in die Luft geworfen wird, betreibt diese Einheit ein Investment-Handwerk, das an die Beharrlichkeit eines Emmentaler Zimmermanns erinnert. Es geht um Statik, um Traglast und um die Frage, ob ein Start-up wie Yokoy tatsächlich die Effizienz bringt, die eine träge Schweizer Verwaltung benötigt.

Der Riss im Gebälk der Innovation

Die Begeisterung für sogenannte disruptive Technologien gleicht oft einer Modeerscheinung, bei der die Substanz zugunsten des Glanzes geopfert wird. Laut dem Swiss Venture Capital Report 2024 ist die Finanzierung zwar stabil, doch der wahre Wert liegt nicht im schnellen Exit, sondern in der industriellen Integration. Wenn Investoren wie Schläpfer in Unternehmen wie Scandit investieren, kaufen sie keine Fantasie, sondern ein digitales Werkzeug für die physische Logistik. Es ist der Versuch, den hölzernen Karren der Schweizer Wirtschaft durch die Modernisierung der Antriebsachse zu retten, statt ihn komplett durch ein fliegendes Vehikel zu ersetzen.

Wahre Innovation in der Schweiz entsteht nicht durch das Brechen von Regeln, sondern durch das meisterhafte Verfeinern bestehender Strukturen unter extremem Druck.

— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Der Einfluss auf Start-ups wie Nexxiot zeigt jedoch ein Paradoxon auf, das den Beobachter skeptisch werden lässt. Die Verheiratung von hochtrabender Sensorik mit dem grauen Alltag der Güterzüge ist zwar ehrenhaft, doch der Erfolg bleibt oft hinter den grossspurigen Prognosen der Pitch-Decks zurück. Es ist das Schicksal des Handwerkers, dass sein Produkt zwar ein Leben lang hält, aber der Markt oft nach der billigen, schnellen Kopie verlangt. Die Schweizer Szene droht den Anschluss an die globale Geschwindigkeit zu verlieren, weil sie zu sehr damit beschäftigt ist, ihre eigenen Ecken zu schleifen, anstatt das Haus schlichtweg grösser zu bauen.

Das Fundament entscheidet über die Dauer

Wer heute in Bern oder Zürich Kapital vergibt, sollte nicht die Agilität eines Start-ups im Sinn haben, sondern die Beständigkeit eines Fundaments. Der Erfolg der Schweizer Technologiewirtschaft wird nicht an der Anzahl der Einhörner gemessen, sondern an der Fähigkeit, die eigene Identität in den Code zu übertragen. Alexander Schläpfer und sein Team fungieren dabei als Bewahrer, die sicherstellen, dass das neue Gebäude nicht beim ersten Sturm zusammenbricht. Es bleibt die Hoffnung, dass die Geduld, die man sonst nur bei der Reifung eines Gruyère-Käses findet, auch in der digitalen Welt zu einem geniessbaren Resultat führt.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach

Senior-Korrespondent. Entschleunigt, präzise, literarisch — 24-Karat-Qualität.

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