Gründerzeit – Journalismus für Unternehmer
Unternehmertum

Der Stählerne Widerstand im Tal des Frusts

Der plötzliche Aufstieg des Frankens ist kein digitales Rauschen, sondern ein tektonischer Schlag gegen das Fundament schweizerischer Präzisionsarbeit, den nur jene überstehen, die ihre Werkzeuge noch mit den Händen führen, statt sie von Algorithmen steuern zu lassen.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach·20. Oktober 2026·6 Min Lesezeit
Der Stählerne Widerstand im Tal des Frusts

Aufgerollte Metallbleche lagern als präzise gefertigte Rohstoffe in der Produktionshalle.

Bild: Pexels / Nithina Palanisamy

Wenn die Schweizerische Nationalbank unter Thomas Jordan den Zinshebel umlegt und der Franken zum Höhenflug ansetzt, erzittern nicht nur die Börsenkurse, sondern vor allem die Werkbänke im Emmental. Ein Unternehmen wie die Hirt Maschinenbau AG in Langnau, bekannt für ihre hochspezialisierten Fräsmaschinen, steht in solchen Momenten vor einer existentiellen Zerreißprobe, bei der kein agiler Management-Workshop hilft. Hier wird nicht in Quartalszahlen gedacht, sondern in der Beständigkeit von Gusseisen und der Toleranz von Hundertstelmillimetern. Die Hirt Maschinenbau AG, unter der Führung von CEO Urs Hirt, spürt den Druck, wenn der Export in den Euroraum plötzlich um ein Zehntel teurer wird, während die Konkurrenz aus Fernost billig produziert. Es ist die alte Lehre vom Schweizer Handwerk: Qualität ist kein Buzzword, sondern eine Versicherung gegen die Volatilität der globalen Märkte. Während sich moderne Start-ups in Cloud-Lösungen verlieren, bewahrt man bei Hirt die Ruhe und investiert in die Effizienz der Fertigungsprozesse, statt in den Abbau der Belegschaft. Wer seine Maschinen versteht, versteht auch, dass der Franken-Schock lediglich eine Währungsschwankung ist, die durch überlegene Schweizer Ingenieurskunst neutralisiert werden kann. Es gleicht dem händischen Schleifen eines Holzwerkzeugs: Man benötigt Geduld und den richtigen Winkel, um trotz des rauen Gegenwinds ein glattes Ergebnis zu erzielen. Diese Beständigkeit ist es, die Unternehmen heute retten kann, fernab von Modewörtern wie Resilienz oder disruptivem Denken.

Das Handwerk als Ankerpunkt

Urs Hirt setzt nicht auf den Ausbau der digitalen Overhead-Kosten, sondern auf die Vertiefung der Fertigungstiefe in seinem Werk. Die Entscheidung, Maschinenkomponenten im eigenen Hause zu fertigen, anstatt sie von globalen Lieferketten abhängig zu machen, ist ein Akt des industriellen Trotzgeistes. Eine Analyse der Schweizerischen Nationalbank zur Wettbewerbsfähigkeit im Jahr 2023 unterstreicht eindrücklich, dass Firmen mit einer hohen Wertschöpfungskontrolle die Franken-Aufwertung deutlich besser kompensieren als reine Handelsbetriebe. Es ist diese materielle Verankerung, die eine Fabrik vor dem Absturz bewahrt, wenn die Währungsmärkte außer Kontrolle geraten. Die Hirt Maschinenbau AG bleibt bei ihrem Prinzip: Keine Auslagerung, keine Kompromisse bei der Materialwahl, kein Aufblähen des Verwaltungsapparats.

Der Franken-Schock ist nur für jene tödlich, die ihre Substanz an der Börse verspielt haben, statt sie in das eigene Werkzeug zu investieren.

— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit

Der Preis der Exzellenz

Die Versuchung ist groß, den Gewinn durch den Zukauf billigerer Rohstoffe aus dem Ausland zu retten, doch genau hier beginnt der schleichende Verfall der Qualität, der langfristig das Todesurteil für jedes Schweizer Exportgut darstellt. Man muss den Mut aufbringen, den Preis beizubehalten oder sogar zu erhöhen, um die Exzellenz zu wahren. Die Kunden von Hirt, oft mittelständische Unternehmen aus Deutschland, suchen nicht das Schnäppchen, sondern die Präzision, die über Jahrzehnte hinweg Bestand hat. Der Erfolg zeigt sich in den Auftragsbüchern, die laut dem Verband Swissmem auch in schwierigen Zeiten stabil bleiben, sofern die Liefertreue gewährleistet ist. Wer versucht, den Franken-Schock durch Entlassungen zu lösen, verliert das Wissen, das den Schweizer Werkplatz so einzigartig macht.

Die Schlussfolgerung für jeden Unternehmer muss lauten: Besinnen Sie sich auf das Eisen, den Stahl und das handwerkliche Können Ihrer Belegschaft. Die Digitalisierung ist ein Hilfsmittel, aber niemals der Retter, wenn der Wechselkurs die Marge auffrisst. Nur derjenige, der eine Qualität liefert, für die es weltweit keinen billigen Ersatz gibt, wird den Sturm überstehen. Es ist Zeit, die unnötigen Ausgaben zu streichen und die alte Schule der Präzision wieder zur höchsten Maxime zu erheben. Der Franken ist ein hartes Geld, und er verlangt nach einer ebenso harten, unnachgiebigen Qualität in der Produktion.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach

Senior-Korrespondent. Entschleunigt, präzise, literarisch — 24-Karat-Qualität.

Mehr von diesem Autor →

Mehr zum Thema

Das digitale Korsett der PräzisionUnternehmertum

Das digitale Korsett der Präzision

Die neue EU-Medizinprodukteverordnung wirkt auf den Schweizer Medizintechnik-Spezialisten Ypsomed wie ein grobes Schnitzmesser, das ein filigranes Uhrwerk zurechtstutzen will. Wer Innovation mit bürokratischer Überregulierung erstickt, gefährdet nicht nur den Export, sondern den Kern unseres schweizerischen Ingenieurgeistes.

vor 21 Stunden