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Das Korsett der Paragrafen: Wie das neue Finanzdienstleistungsgesetz die Manufaktur der Vontobel-Bank erstickt

Regulierung ist wie ein zu eng geschnürtes Uhrwerk: Die Zahnräder können sich drehen, doch die Eleganz der Bewegung bleibt auf der Strecke. Am Beispiel von Vontobel zeigt sich, wie die Zunahme bürokratischer Anforderungen das Vertrauenshandwerk der Zürcher Vermögensverwalter in ein steriles Protokollkorsett zwingt.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach·14. Oktober 2026·6 Min Lesezeit
Das Korsett der Paragrafen: Wie das neue Finanzdienstleistungsgesetz die Manufaktur der Vontobel-Bank erstickt

Historische Architektur im Zürcher Bankenviertel unter blauem Himmel.

Bild: Pexels / Jean-Paul Wettstein

Wenn man durch die Räumlichkeiten der Bank Vontobel am Zürcher Gotthardplatz wandert, spürt man noch den Geist jener Institution, die einst auf persönlicher Diskretion und dem Handschlag unter Gentlemen basierte. Doch dieses Fundament bröckelt unter der Last des Finanzdienstleistungsgesetzes, das unter der Führung von CEO Zeno Staub zwar formal perfekt umgesetzt wurde, in der Praxis jedoch die Seele der Kundenbeziehung in ein digitales Formularwesen verwandelt. Es ist ein Trauerspiel, wie die juristische Akribie des Bundes die intuitive Expertise eines Kundenberaters zunehmend entwertet.

Die Illusion der Sicherheit durch Dokumentation

Das Gesetz, das den Anleger vor Willkür schützen soll, gleicht in seiner Ausführung dem Versuch, einem Uhrmacher vorzuschreiben, wie er seine Pinzette zu halten hat, während er ein Tourbillon repariert. Laut einer internen Analyse des Branchenverbandes Asset Management Association Switzerland sind die administrativen Kosten seit der Einführung von FIDLEG im Jahr 2020 um schätzungsweise 15 Prozent gestiegen, ohne dass die Anlagequalität für den Endkunden proportional gewachsen wäre. Zeno Staub und seine Equipe investieren heute Stunden in Aufklärungsprotokolle, die der Kunde oft ungelesen abnickt, statt in die vertiefte Marktanalyse, die einst das Markenzeichen des Hauses war.

Der grösste Feind des Unternehmertums ist nicht das Risiko des Marktes, sondern die Lähmung durch den bürokratischen Sicherheitswahn.

— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit

Diese Entwicklung erinnert an das Handwerk der Zürcher Seidenweber: Wer seine Webstühle nur noch auf die Konformität der Fadenstärke prüft, statt das Muster zu entwerfen, der verliert den Anschluss an die Weltmärkte. Die regulatorische Last beraubt Vontobel der Fähigkeit, in volatilen Zeiten agil auf Kundenbedürfnisse einzugehen, da jede Handlung zuerst das Nadelöhr der Compliance-Abteilung passieren muss.

Wenn der Paragraf das Handwerk dominiert

Es ist bezeichnend, dass selbst erfahrene Strategen wie der Verwaltungsratspräsident Andreas E. Bisang zusehen müssen, wie die Expertise in der Vermögensverwaltung zur Nebensache hinter der Dokumentationspflicht degradiert wird. Nach Angaben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA sind die Berichte über aufsichtsrechtliche Verstösse bei den Schweizer Banken seit 2021 zwar gesunken, doch das Vertrauen der Kunden – das eigentliche Kapital eines Schweizer Bankhauses – bleibt auf einem volatilen Stand.

Die Politik glaubt, mit einem Meer an Regularien die Stabilität zu zementieren, vergisst dabei aber, dass Stabilität aus Qualität und nicht aus Papierbergen entsteht. Wenn die Kreativität der Investment-Profis unter der Last von Checklisten erstickt, wird der Standort Schweiz seine globale Spitzenposition einbüssen. Ein Uhrmacher, der mehr Zeit mit dem Ausfüllen von Protokollen verbringt als mit dem Justieren der Spiralfeder, wird nie wieder ein Uhrwerk erschaffen, das die Zeit überdauert.

Die Schlussfolgerung ist bitter: Wir regulieren unsere eigene Tradition zu Tode. Wenn Vontobel und andere Grössen des Finanzplatzes sich nicht gegen die Übermacht der bürokratischen Normierung stemmen, bleibt vom Schweizer Finanzplatz nur eine hohle Hülle, zertifiziert durch Stempel, aber entleert von echtem Unternehmergeist.

Friedrich Stelzenbach
Friedrich Stelzenbach

Senior-Korrespondent. Entschleunigt, präzise, literarisch — 24-Karat-Qualität.

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