Die Illusion der schnellen Skalierbarkeit
Das moderne Unternehmertum in der Schweiz leidet an einer schleichenden Entfremdung vom Werkstück. Wo einst der Uhrmacher in La Chaux-de-Fonds die Hemmung über Wochen feilte, versuchen heutige Gründer, den Erfolg mittels Excel-Tabellen und Agilitätshypes zu erzwingen. Staatliche Förderstellen wie die Innosuisse agieren dabei oft wie wohlwollende Gönner, die den Schleifstein mit Fördermillionen ölen, ohne die Härte des Materials zu prüfen. Die Gefahr einer solch subventionierten Innovationskultur liegt in der Trägheit, die sich dort einschleicht, wo der Markt als Korrektiv fehlt.
Ein Fallbeispiel für beharrliche Qualität
Marc P. Bernegger, ein Urgestein der Schweizer Digitalszene, demonstrierte früh, dass staatliche Unterstützung lediglich ein Hilfswerkzeug sein kann, ähnlich einem präzisen Drehstahl. Durch die frühzeitige Einbindung von Förderinstrumenten in Unternehmungen wie Amiando konnte er die Brücke zwischen einer kühnen Vision und der bürokratischen Realität schlagen. Dabei blieb der Fokus stets auf dem Kernprodukt, nicht auf der administrativen Kür. Diese Verbindung von staatlicher Förderung und unternehmerischem Eigensinn ist in einer Zeit, die nach sofortiger Exits strebt, eine seltene Tugend.
Wahre Innovation entsteht nicht in der sterilen Wärme eines Förderprogramms, sondern an der rauen Kante des Marktes, wo jeder Franken selbst erarbeitet werden muss.
— Quelle: Friedrich Stelzenbach, Gründerzeit
Das Handwerk der Unabhängigkeit
Die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern darf nicht zur Gewohnheit werden, wie es laut einer Analyse der Zürcher Kantonalbank bei vielen Jungunternehmen zu beobachten ist. Ein Unternehmer, der sein Geschäftsmodell nur auf den Zuschuss aus Bern ausrichtet, gleicht einem Schreiner, der nur mit fremdem Holz baut und bei jeder Windböe die Stabilität seiner Statik verliert. Die echte Prüfung findet nicht bei der Antragstellung statt, sondern wenn der Kunde zum ersten Mal den vollen Preis für ein Produkt entrichtet, das ohne staatliche Stütze besteht.
Die Schweizer Startup-Landschaft täte gut daran, sich wieder an die Tugenden des 19. Jahrhunderts zu besinnen, in denen das Kapital ein Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst war. Wer Marc P. Bernegger beobachtet, erkennt das Muster: Es geht um das Netzwerken, um das Verständnis für die Struktur des Marktes und um eine gewisse Sturheit im Geist. Wenn die Innosuisse das Werkzeug liefert, muss die Hand des Gründers dennoch sicher und eigenständig geführt werden, um den Hobel nicht zu tief ins Fleisch zu treiben.





