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Telefonbetrug auf dem Rückzug: Ein Feigenblatt für die Behörden

Die Statistik der Cyber-Kriminalität zeigt endlich nach unten, doch Vorsicht ist geboten. Der vermeintliche Erfolg im Kampf gegen falsche Polizisten ist lediglich eine Verschiebung der Fronten, während Schweizer Unternehmen weiterhin schutzlos im digitalen Niemandsland stehen.

Célina Bargémy
Célina Bargémy·8. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Telefonbetrug auf dem Rückzug: Ein Feigenblatt für die Behörden

Ein Nutzer arbeitet an einem Computer in einem abgedunkelten Raum, während auf dem Bildschirm ein maskierter Hacker droht.

Bild: Pexels / Tima Miroshnichenko

Ein Sieg mit bitterem Beigeschmack

Die aktuellen Zahlen des Bundes klingen beruhigend. Laut der jüngsten Bilanz des Bundesamts für Cybersicherheit ist die Anzahl der Meldungen zu Anrufen von angeblichen Polizisten oder Zollbeamten im Juli signifikant zurückgegangen. Bundesrat Beat Jans dürfte diese Daten als Erfolg seiner Strategie verkaufen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt das klassische Muster der Kriminellen. Die Betrüger sind keine Anfänger, sie haben längst die Taktik gewechselt.

Ein Rückgang bei einer Betrugsmasche ist kein Indiz für sinkende kriminelle Energie, sondern lediglich ein Beweis für die hohe Flexibilität der Täter.

— Célina Bargémy, Gründerzeit

Die Gefahr verlagert sich lautlos

Während der klassische Telefonterror nachlässt, rollt die Welle der Ransomware-Attacken ungebremst auf Schweizer KMU zu. Unternehmen wie die Burkhalter Gruppe oder spezialisierte Tech-Firmen in Zug sind keine Zufallsopfer. Sie stehen im Fadenkreuz, weil ihre IT-Infrastruktur oft löchriger ist als ein Emmentaler. Wenn der Staat den Zollbeamten am Telefon stoppt, heisst das noch lange nicht, dass die digitale Backdoor verschlossen bleibt.

Die Digitalisierung der Schweiz ist ein Wettlauf, bei dem die Kriminellen meist zwei Runden führen. Es reicht nicht, die Meldestellen mit Berichten zu füllen, während die wirkliche Bedrohung – die gezielte Spionage und Erpressung von Schweizer Firmendaten – zunimmt. Politiker wie Nationalrat Andri Silberschmidt fordern zwar Innovation, vergessen dabei aber oft den elementaren Schutz vor digitaler Sabotage.

Wer sich auf den sinkenden Zahlen der Telefonbetrüger ausruht, öffnet Tür und Tor für den digitalen Raubzug gegen unsere Innovationskraft.

— Célina Bargémy, Gründerzeit

Fazit einer trügerischen Ruhe

Der aktuelle Rückgang bei den Telefonbetrügern ist eine statistische Beruhigungspille. Er dient dazu, das Vertrauen in die staatliche Cybersicherheit künstlich aufzupumpen. Die wahre Herausforderung liegt in der Verschlüsselung von Industriegeldern und dem Diebstahl von Patenten. Wer glaubt, mit ein paar gefilterten Telefonnummern sei das Problem aus der Welt, der hat die Spielregeln des 21. Jahrhunderts noch immer nicht verstanden. Es wird Zeit, dass der Fokus von der Statistik-Schönfärberei auf die echte Abwehr von Cyber-Kriegern gelenkt wird.

Célina Bargémy
Célina Bargémy

Daten-Detektivin. Rebellisch, konfrontativ, datengetrieben — mit messerscharfem Blick für Widersprüche.

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