Acht Jahre. So lange dauert es, bis die ESA-Sonde BepiColombo endlich ihr Ziel erreicht. Wer in der Schweizer Tech-Szene acht Jahre auf Ergebnisse wartet, ist längst pleite oder vom Markt gefegt. Doch hier, in den gläsernen Laboren der Raumfahrtindustrie, gelten andere Gesetze. Schweizer Forschende sind tief involviert, und die Steuerzahler finanzieren das Hochrisiko-Manöver direkt mit.
Ein teurer Flug ins Nichts?
Die Mission ist ein Paradebeispiel für bürokratische Langatmigkeit. Manövriert wird hier nicht nur um den Merkur, sondern auch um die Frage, ob wir uns solch riskante Weltraum-Abenteuer in Zeiten knapper Budgets überhaupt leisten können. Professorin Kathrin Altwegg von der Universität Bern hat schon lange vor der komplexen Instrumentierung gewarnt. Dennoch bleibt die Faszination für das Unbekannte ein mächtiger Magnet für öffentliche Gelder.
Raumfahrt ist das ultimative Start-up-Risiko: Man verbrennt Kapital in der Atmosphäre und hofft auf einen technologischen Output, den noch niemand bestellt hat.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Innovation oder Ingenieurs-Hubris?
Es geht um präzise Sensoren und komplexe Datenübertragungsraten. Die ESA setzt auf Technologie, die oft schon bei der Ankunft am Zielort veraltet ist. Schweizer Firmen wie RUAG Space liefern zwar essenzielle Hardware, doch der Mehrwert für den heimischen Mittelstand bleibt oft bei vagen Forschungsberichten hängen. Wo ist der Spin-off-Effekt, den Gründer jeden Tag hart erarbeiten müssen?
Wenn dieses Manöver scheitert, ist die Bilanz des Jahrzehnts schlichtweg verbranntes Kapital. Weltraum-Projekte wirken oft wie ein Spiegelbild der Innovationsstau-Mentalität in grossen Institutionen. Man baut, man fliegt, man hofft, man verschweigt die Kosten.
Wir investieren in die Kartierung von Kratern auf einem toten Planeten, während wir vor der Haustür in der Schweiz die Digitalisierung verschlafen.
— Célina Bargémy, Gründerzeit
Das Risiko ist real. Die ESA-Techniker am Boden zittern, wenn die Sonde in den Einflussbereich des Merkur gerät. Die Schweiz sollte sich fragen, ob sie ihre besten Köpfe in der Astrophysik oder in der Lösung globaler, unternehmerischer Probleme einsetzen will. Weltraum-Forschung braucht Visionäre, aber sie braucht auch eine Abrechnung, die über populärwissenschaftliche Schlagzeilen hinausgeht.





