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Der PS-Wahn hat ein Ablaufdatum: Warum die Schweizer Mobilitätswende beim Gewicht beginnt

Der Traum vom schweren, elektrischen SUV als Allheilmittel ist technologisch gesehen eine Sackgasse. Um das Netto-Null-Ziel 2050 tatsächlich zu erreichen, muss die Schweiz den Fokus radikal von der Batteriegrösse auf die Fahrzeugmasse verlagern.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·22. September 2026·3 Min Lesezeit
Der PS-Wahn hat ein Ablaufdatum: Warum die Schweizer Mobilitätswende beim Gewicht beginnt

Ein kompaktes Elektroauto parkt unter blühenden Bäumen in einer Schweizer Stadt und verkörpert moderne, umweltfreundliche urbane Mobilität.

Bild: Pexels / afra fadile

Die Schweizer Strassen verkommen zum Spielplatz für übergewichtige Blechkisten, die selbst mit E-Antrieb den ökologischen Rucksack eines kleinen Panzers mitschleppen. Es ist eine Fehlannahme, dass die schiere Elektrifizierung den Individualverkehr plötzlich nachhaltig macht, solange wir weiterhin zwei Tonnen Masse bewegen, um eine einzelne Person von Zürich-Wiedikon nach Oerlikon zu befördern. Laut Daten des Bundesamtes für Statistik bleibt die hohe Motorisierung einer der grössten Bremsklötze für die schweizerische Klimabilanz.

Ein radikales Umdenken beim Fahrzeuggewicht

Unternehmer wie Frank M. Rinderknecht von Rinspeed zeigen seit Jahren, dass Mobilität nicht nur leicht, sondern intelligent sein kann. Während die Automobilindustrie den Wettlauf um die maximale Reichweite mit immer grösseren Akkus austrägt, verliert sie den Blick für das Wesentliche: Energieeffizienz entsteht durch Leichtbau. Ein Fahrzeug, das weniger wiegt, benötigt weniger Energie für den Antrieb und schont die Ressourcen bei der Batterieherstellung massiv.

Wir bauen keine Autos mehr für den Fahrer, sondern für den Platzbedarf des Ego. Die Ingenieurskunst muss sich wieder von der Masse befreien.

— Quelle: Frank M. Rinderknecht, Rinspeed CEO

Es ist Zeit, dass Investoren und Startups in der Schweiz ihr Kapital in Micro-Mobility-Lösungen stecken, statt den nächsten Luxus-Elektro-SUV zu subventionieren. Der Markt braucht keine schwereren Batterien, sondern effizientere Chassis-Konzepte, die den urbanen Raum entlasten.

Innovation statt Subvention

Die Politik diskutiert fleissig über regulatorische Ansätze, doch die wahre Innovation findet in den Werkstätten statt, in denen Konzepte wie das Microlino-Prinzip von der Othmar Wymann-Gruppe weitergedacht werden. Ein solches Fahrzeug verkörpert den notwendigen Minimalismus, der in einer überkonsumorientierten Gesellschaft oft als Verzicht missverstanden wird. Dabei ist es schlichte ökonomische Vernunft, weniger Material für den gleichen Zweck einzusetzen.

Wer in der Mobilität von morgen nur den Antrieb austauscht, hat das Problem von gestern nicht verstanden. Echte Disruption beginnt beim Gramm, nicht beim Volt.

— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit

Wenn die Schweiz ihre ambitionierten Netto-Null-Ziele ernst nimmt, darf sie nicht länger auf die Skalierung von überdimensionierten Elektrofahrzeugen setzen. Der Unternehmertum-Geist der Nation sollte sich auf das Design von leichten, modularen Systemen fokussieren, die dem tatsächlichen Nutzerbedarf entsprechen. Das ist kein Verzicht, das ist die Chance für Schweizer Ingenieure, den Weltmarkt mit Effizienz statt mit Grösse zu erobern.

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

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