Die Schweizer Strassen verkommen zum Spielplatz für übergewichtige Blechkisten, die selbst mit E-Antrieb den ökologischen Rucksack eines kleinen Panzers mitschleppen. Es ist eine Fehlannahme, dass die schiere Elektrifizierung den Individualverkehr plötzlich nachhaltig macht, solange wir weiterhin zwei Tonnen Masse bewegen, um eine einzelne Person von Zürich-Wiedikon nach Oerlikon zu befördern. Laut Daten des Bundesamtes für Statistik bleibt die hohe Motorisierung einer der grössten Bremsklötze für die schweizerische Klimabilanz.
Ein radikales Umdenken beim Fahrzeuggewicht
Unternehmer wie Frank M. Rinderknecht von Rinspeed zeigen seit Jahren, dass Mobilität nicht nur leicht, sondern intelligent sein kann. Während die Automobilindustrie den Wettlauf um die maximale Reichweite mit immer grösseren Akkus austrägt, verliert sie den Blick für das Wesentliche: Energieeffizienz entsteht durch Leichtbau. Ein Fahrzeug, das weniger wiegt, benötigt weniger Energie für den Antrieb und schont die Ressourcen bei der Batterieherstellung massiv.
Wir bauen keine Autos mehr für den Fahrer, sondern für den Platzbedarf des Ego. Die Ingenieurskunst muss sich wieder von der Masse befreien.
— Quelle: Frank M. Rinderknecht, Rinspeed CEO
Es ist Zeit, dass Investoren und Startups in der Schweiz ihr Kapital in Micro-Mobility-Lösungen stecken, statt den nächsten Luxus-Elektro-SUV zu subventionieren. Der Markt braucht keine schwereren Batterien, sondern effizientere Chassis-Konzepte, die den urbanen Raum entlasten.
Innovation statt Subvention
Die Politik diskutiert fleissig über regulatorische Ansätze, doch die wahre Innovation findet in den Werkstätten statt, in denen Konzepte wie das Microlino-Prinzip von der Othmar Wymann-Gruppe weitergedacht werden. Ein solches Fahrzeug verkörpert den notwendigen Minimalismus, der in einer überkonsumorientierten Gesellschaft oft als Verzicht missverstanden wird. Dabei ist es schlichte ökonomische Vernunft, weniger Material für den gleichen Zweck einzusetzen.
Wer in der Mobilität von morgen nur den Antrieb austauscht, hat das Problem von gestern nicht verstanden. Echte Disruption beginnt beim Gramm, nicht beim Volt.
— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit
Wenn die Schweiz ihre ambitionierten Netto-Null-Ziele ernst nimmt, darf sie nicht länger auf die Skalierung von überdimensionierten Elektrofahrzeugen setzen. Der Unternehmertum-Geist der Nation sollte sich auf das Design von leichten, modularen Systemen fokussieren, die dem tatsächlichen Nutzerbedarf entsprechen. Das ist kein Verzicht, das ist die Chance für Schweizer Ingenieure, den Weltmarkt mit Effizienz statt mit Grösse zu erobern.





