Ein digitaler Jodler gegen den Bürokratismus
Wenn man in einem kleinen Büro in Wattwil sitzt und versucht, die globale Softwarelandschaft mit einer Prise Appenzeller Präzision zu revolutionieren, dann braucht es mehr als nur ein schickes Logo. Gründer Beat Signer hat mit NexaFlow ein System gebaut, das Prozesse automatisiert, bei denen selbst das Bundesamt für Statistik vor lauter Excel-Tabellen schwindelig werden würde. Während in San Francisco noch in Yoga-Kursen über die Menschheit nachgedacht wird, baut Signer in der Ostschweiz Maschinen, die schlicht funktionieren. Das ist schweizerisch, das ist effizient, und es riecht nach echtem Unternehmertum.
Die Technologie von NexaFlow setzt dort an, wo die klassische Schweizer KMU-Landschaft an ihre Grenzen stösst: bei der täglichen Zettelwirtschaft. Wie eine interne Analyse des Unternehmens zeigt, sparen Kunden durch die Integration ihrer KI-Lösungen im Schnitt zwölf Stunden pro Woche. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer fast schon sturen Fokussierung auf das Wesentliche. Man spart sich das Modische und konzentriert sich auf die saubere Architektur, so wie ein Uhrmacher, der ein Getriebe ölt, das seit hundert Jahren nicht mehr rund lief.
Ein System, das nicht bei Regen und Nebel am Dienstagmorgen funktioniert, ist in der Schweiz kein Fortschritt, sondern Sondermüll.
— Quelle: Beni Moser, Gründerzeit
Globaler Anspruch, lokale Bodenhaftung
Man fragt sich natürlich: Funktioniert das auch, wenn die Kaffeemaschine streikt und die SBB mal wieder Verspätung hat? Beat Signer hat mit seinem Team Investoren wie die Firma investiere.ch davon überzeugt, dass man auch von der Provinz aus die Weltmärkte angreifen kann. Es ist dieses pragmatische Denken, das den Standort Schweiz oft unterschätzt wirken lässt. In Vietnam haben die Menschen beim Strassenverkauf oft mehr Agilität bewiesen als manch ein Verwaltungsrat in Zürich, doch NexaFlow kombiniert diese Schnelligkeit mit der sprichwörtlichen Schweizer Verlässlichkeit.
Natürlich gibt es auch Skeptiker. Kritiker wie der Informatikprofessor Roger Wattenhofer von der ETH Zürich betonen oft, dass KI ohne klare ethische Leitplanken ein gefährliches Spielzeug bleibt. Das ist wahr, aber bei NexaFlow geht es primär um Prozessoptimierung, nicht um die Erschaffung eines digitalen Gottes. Wenn die Software die Lohnbuchhaltung automatisiert, ist das kein philosophisches Debakel, sondern eine Erleichterung, die manchen Buchhalter vor dem Burnout bewahrt.
Die Gefahr der digitalen Überheblichkeit
Es besteht jedoch die Gefahr, dass Schweizer Gründer vor lauter Effizienzdenken vergessen, dass ein Unternehmen auch eine Seele braucht. Man kann Abläufe perfektionieren, aber wenn am Ende nur noch Nullen und Einsen übrig bleiben, hat man zwar ein effizientes, aber steriles Produkt. NexaFlow muss aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, sich zu sehr in der eigenen technologischen Genialität zu verlieren. Ein Produkt muss dem Anwender dienen, nicht umgekehrt, sonst endet das Ganze wie ein Schweizer Taschenmesser mit tausend Funktionen, bei dem man beim Ausklappen den Fingernagel abbricht.
Letztlich zeigt der Aufstieg von NexaFlow, dass der Mut zur Nische der Schlüssel zum Erfolg ist. Wer versucht, den globalen Markt mit einer Kopie der Google-Strategie zu fluten, wird kläglich scheitern. Wer aber wie Signer ein spezifisches, lokales Problem so sauber löst, dass es plötzlich global skaliert, der hat die Chance, ein echtes Schwergewicht zu werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Ostschweizer Sturheit ausreicht, um auch den Markt in Übersee nachhaltig zu überzeugen.





