Gründerzeit – Journalismus für Unternehmer
Technologie

Wenn Schiffe fliegen lernen: Warum der Hydrofoil-Hype die maritime Logistik revolutioniert

Das lautlose Schweben über dem Wasser ist längst kein Privileg für ambitionierte Segler mehr. Die industrielle Schifffahrt steht vor einer radikalen Transformation, bei der Tragflächentechnologie den Widerstand besiegt und CO2-Emissionen pulverisiert.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·18. Oktober 2026·4 Min Lesezeit
Wenn Schiffe fliegen lernen: Warum der Hydrofoil-Hype die maritime Logistik revolutioniert

Ein roter Schlepper navigiert unter einem nebligen Himmel durch ruhige Gewässer, während im Hintergrund weitere Schiffe zu sehen sind.

Bild: Pexels / Oleksiy Yeshtokyn,🌻🇺🇦🌻

Wer heute noch behauptet, Schiffe müssten zwingend das Wasser verdrängen, hat die Zeichen der Zeit verschlafen. Das Prinzip des Foilings, bei dem ein Schiffskörper bei steigender Geschwindigkeit durch Unterwasserflügel aus dem Wasser gehoben wird, ist der technologische Hebel, auf den die Branche gewartet hat. Durch die drastische Reduktion der Reibung sinkt der Energiebedarf bei identischer Geschwindigkeit massiv.

Ein neuer Horizont für Schweizer Ingenieurskunst

Unternehmen wie das schwedische Startup Candela, das mit seinen elektrischen Foiling-Fähren bereits für Aufsehen sorgt, zeigen den Weg auf. Auch in der Schweiz, wo maritime Innovation oft auf Seen getestet wird, treiben Pioniere wie die Entwickler an der EPFL die Hydrodynamik voran. Die Frage ist nicht mehr, ob die Technologie funktioniert, sondern wie schnell sie von den grossen Playern der Weltschifffahrt skaliert werden kann.

Der Widerstand im Wasser ist der grösste Feind der Effizienz. Wer das Schiff aus dem Wasser hebt, gewinnt den Kampf gegen die Physik und den Klimawandel gleichzeitig.

— Dorian Dorner, Gründerzeit

Die Anwendung im kommerziellen Sektor ist der logische nächste Schritt. Wenn Konzerne wie der Logistikriese Kuehne+Nagel nach Lösungen für eine grünere Lieferkette suchen, wird der Fokus zwingend auf die Antriebseffizienz rücken. Es geht um puren Wettbewerbsvorteil durch weniger Treibstoffverbrauch.

Die Hürden der Skalierung

Kritik ist angebracht, wenn es um die Skalierbarkeit geht. Ein Foiler für den Zürisee ist eine technische Meisterleistung, aber ein Containerschiff, das über den Atlantik schwebt, ist eine statische Herausforderung von völlig anderer Grössenordnung. Forscher wie Professor Mario Farina von der Universität Genua weisen darauf hin, dass die Materialbelastung durch Kavitation und die strukturelle Integrität der Tragflächen bei hohen Lasten extrem komplex bleiben.

Dennoch: Der Drang zur Dekarbonisierung ist unaufhaltsam. Investoren wie Martin Naville zeigen sich offen für disruptive Ansätze, die den Status quo der Schweröl-Schifffahrt in Frage stellen. Die technologische Trägheit der grossen Reedereien ist das einzige, was einer schnellen Adoption noch im Weg steht.

Wir können uns nicht leisten, weiter auf Wasser zu pflügen, wenn wir fliegen könnten. Wer jetzt nicht investiert, wird in zehn Jahren keine Flotte mehr haben, die mit modernen Umweltauflagen kompatibel ist.

— Dorian Dorner, Gründerzeit

Die Zukunft gehört jenen, die mutig genug sind, ihre Schiffsrümpfe abzuheben. Das ist kein Nischensport mehr, das ist die notwendige Evolution des Gütertransports auf dem Wasser.

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

Mehr von diesem Autor →

Mehr zum Thema

BepiColombo: Das Milliarden-Grab im All?Technologie

BepiColombo: Das Milliarden-Grab im All?

Nach acht Jahren Flugzeit steht die ESA-Mission BepiColombo kurz vor dem entscheidenden Manöver am Merkur. Während Schweizer Steuergelder in die Unendlichkeit fliegen, stellt sich die Frage nach dem Return on Investment für unsere innovative Wirtschaft.

28. Oktober