Der Data Act ist ein bürokratischer Albtraum, verpackt in die glänzende Folie des Datenschutzes. Für Unternehmen wie Exoscale, den Zürcher Cloud-Spezialisten unter der Leitung von CEO Pierre-Yves Gibello, bedeutet das Gesetz eine massive Mehrbelastung. Eigentlich sollte das Gesetz den Datenaustausch fördern, doch die Realität der Umsetzung frisst Kapazitäten auf, die dringend in die Entwicklung neuer Infrastruktur fließen sollten.
Ein Klotz am Bein der Cloud-Infrastruktur
Cloud-Computing ist das Fundament der modernen Wirtschaft. Wenn Unternehmen wie Exoscale gezwungen werden, ihre gesamte Softwarearchitektur an die strikten und teils vagen Vorgaben der EU anzupassen, sinkt die Geschwindigkeit der Innovation. Die Schweiz ist als Nicht-EU-Mitglied in einer paradoxen Lage. Sie ist auf Interoperabilität angewiesen, muss aber Compliance-Hürden nehmen, die für ein Unternehmen mit vergleichsweise kleinen Teams wie dem von Gibello unverhältnismäßig sind.
Der Data Act droht, europäische Cloud-Anbieter in ein technologisches Exil zu drängen, während US-Giganten ihre Marktmacht durch schiere Ressourcen einfach weiter ausbauen.
— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit
Die Kosten für die Rechtsberatung und die technischen Anpassungen belaufen sich laut Schätzungen von Branchenexperten wie Marc Maurer von der Digital Switzerland Initiative auf sechsstellige Beträge für mittelgroße Anbieter. Das ist Geld, das nicht in effizientere Rechenzentren in Genf oder Zürich investiert werden kann. Diese regulatorische Last führt dazu, dass lokale Player gegenüber den globalen Hyperscalern wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure massiv an Boden verlieren.
Souveränität durch Überregulierung gefährdet
Das Ziel der digitalen Souveränität wird durch den Data Act ins Gegenteil verkehrt. Wenn europäische und Schweizer Unternehmen ihre Innovationskraft an der Schnittstelle zur Bürokratie verlieren, gewinnt niemand außer den großen Tech-Konzernen aus Übersee. Diese haben die Heere an Juristen, um jede Lücke im Gesetz zu ihren Gunsten zu interpretieren. Der Schweizer Cloud-Standort droht so zu einem bloßen Reseller-Markt für amerikanische Infrastruktur zu verkommen, statt selbst technologische Standards zu setzen.
Regulierung, die den Wettbewerb schützen soll, aber nur die etablierten Giganten stärkt, ist das Eingeständnis des eigenen technologischen Scheiterns.
— Quelle: Pierre-Yves Gibello, Exoscale
Es braucht einen mutigen Kurswechsel in der Schweizer Digitalpolitik. Statt die regulatorischen Anforderungen der EU eins zu eins zu spiegeln, muss die Schweiz auf Standards setzen, die technologische Exzellenz und Datensicherheit nicht als Gegensatz begreifen. Exoscale zeigt, dass man in der Schweiz Weltklasse-Cloud-Lösungen bauen kann, doch diese müssen von der Politik als strategisches Gut und nicht als regulatorisches Versuchskaninchen betrachtet werden.





