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Das digitale Gold der Karibik: Wie Anguilla am KI-Hype verdient

Manche Staaten setzen auf Steueroasen, der Inselstaat Anguilla setzt auf den Boom der Künstlichen Intelligenz. Mit der cleveren Vergabe der Domainendung .ai spült die Karibikinsel Millionen in die Staatskassen, während hiesige Firmen beim Domain-Goldrausch leer ausgehen.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·18. Oktober 2026·3 Min Lesezeit
Das digitale Gold der Karibik: Wie Anguilla am KI-Hype verdient

Blau beleuchtete Server-Racks bilden das technologische Rückgrat für Anguillas digitale Infrastruktur.

Bild: Pexels / panumas nikhomkhai

Der goldene Schnitt der modernen Internet-Ökonomie liegt nicht in der Schweiz, sondern in einem kleinen karibischen Inselparadies. Während hiesige Tech-Unternehmer wie Adrian Locher von Merantix in Berlin oder lokale KI-Pioniere wie Pascal Kaufmann in Zürich händeringend nach Markenidentität suchen, macht Anguilla Kasse. Die Endung .ai, eigentlich die Länderkennung für den britischen Übersee-Territorium-Staat, ist zum Statussymbol der Tech-Elite geworden.

Die Rechnung ist simpel. Laut SRF Technik kassiert Anguilla für jede Registrierung satte Gebühren ab. Da jeder Startup-Gründer von Palo Alto bis Zug plötzlich ein .ai an seine Webseite hängen will, sprudeln die Einnahmen. Es ist ein genialer, wenn auch fast schon absurder ökonomischer Coup. Ein kleiner Staat hat das digitale Äquivalent zum Erdöl gefunden, ohne jemals einen Server zu besitzen.

Der Wert eines Territoriums definiert sich im 21. Jahrhundert nicht mehr über Quadratmeter, sondern über die digitale Endung, die den Fortschritt markiert.

— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit

Unternehmer in der Schweiz schauen meist auf die .ch-Domain oder das langweilige .com. Doch der Trend ist klar. Wer heute im KI-Sektor ernst genommen werden will, braucht die Endung, die sofort nach Machine Learning und Neuronale Netze schreit. Die hohen Lizenzgebühren, die Firmen wie Stability AI oder Startup-Gründer wie Emad Mostaque bereit sind zu zahlen, fliessen direkt in das Budget der Regierung von Anguilla.

Es stellt sich die Frage, ob Schweizer Kantone nicht auch kreativer bei ihren digitalen Assets sein könnten. Während Anguilla dank des globalen KI-Hypes Millionen generiert, verwalten wir hierzulande primär alte Steuermodelle. Innovation findet eben manchmal dort statt, wo man es am wenigsten vermutet – nämlich in der automatisierten Lizenzierung von zwei Buchstaben.

Die Abhängigkeit von diesem Einnahmestrom ist zwar riskant, wenn der Hype abebbt, aber das Geschäftsmodell bleibt brillant. Die Kombination aus digitalem Branding und staatlicher Souveränität hat ein neues Monopol geschaffen, das für den Tech-Sektor fast unumgänglich geworden ist.

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

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