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550 km/h auf alten Schienen: Warum Polen das Bahn-Monopol sprengt

Wer beim Bahnfahren heute noch entspannt ein Buch liest, hat die Rechnung ohne polnische Ingenieure gemacht. Ein neues Magnetschwebesystem für bestehende Gleise stellt den bisherigen Fernverkehr komplett in den Schatten.

Dorian Dorner
Dorian Dorner·19. Oktober 2026·3 Min Lesezeit
550 km/h auf alten Schienen: Warum Polen das Bahn-Monopol sprengt

Ein Hochgeschwindigkeitszug rauscht im Winter in verschwommener Dynamik über die Gleise.

Bild: Pexels / Jonas Von Werne

Die Bahnindustrie in Europa schläft den Schlaf der Gerechten, während polnische Visionäre die Regeln neu schreiben. Das Start-up Nevomo zeigt mit seiner Magrail-Technologie, dass man keine Milliarden für neue Trassen ausgeben muss, um Geschwindigkeiten von bis zu 550 km/h zu erreichen. Die Idee dahinter ist bestechend simpel: Ein magnetisches System wird auf die vorhandenen Gleise gesetzt, wodurch Züge schweben statt rattern. Für die Schweiz, die stolz auf ihre SBB-Effizienz ist, sollte das ein Weckruf sein, anstatt sich auf dem bestehenden Netz auszuruhen.

Die Revolution auf bestehendem Stahl

Bisher galten Magnetschwebebahnen wie der Transrapid als teure Inselprojekte, die ganze Schienennetze obsolet machen wollten. CEO Przemek Paczek setzt bei Nevomo jedoch genau dort an, wo die Infrastruktur bereits existiert. Das spart nicht nur Investitionskosten in unvorstellbarer Höhe, sondern macht grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitsstrecken von Warschau über Berlin bis nach Zürich realistisch.

Wir brauchen keine neuen Betonwüsten, um die Zukunft des Reisens zu bauen, wir müssen nur die Physik der vorhandenen Gleise besser nutzen.

— Quelle: Dorian Dorner, Gründerzeit

Ein Stresstest für die SBB

Für hiesige Unternehmer ist das ein Spielveränderer. Wenn die Reisezeit von Zürich nach Paris auf unter zwei Stunden sinkt, verschieben sich die wirtschaftlichen Gravitationszentren massiv. Es ist Zeit, dass sich ETH-Professor Kay Axhausen und die Verantwortlichen der SBB nicht nur fragen, ob das System sicher ist, sondern wie man solche Innovationen aus Osteuropa als Standortvorteil für die Schweiz integriert.

Man muss kein Fanboy sein, um zu sehen, dass hier die Trägheit einer ganzen Branche herausgefordert wird. Die Frage ist nicht, ob das System technisch funktioniert, sondern ob die verstaubten Genehmigungsverfahren in Brüssel und Bern es zulassen, dass wir schneller als mit 250 km/h durch die Landschaft fliegen. Innovation braucht Mut zur Lücke und den Willen, veraltete Standards über Bord zu werfen.

Quellen

https://www.srf.ch/wissen/technik/rekordschnell-durch-europa-dieser-zug-schwebt-ueber-normalen-gleisen

Dorian Dorner
Dorian Dorner

Tech-Optimist und Startup-Beobachter. Enthusiastisch, kritisch-prüfend, interviewt gerne Gründer.

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